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Streit über Abendmahl : Frankfurter Kirchenvertreter beharren auf Ökumene

Abendmahl in einem Gottesdienst in Rottenburg am Neckar Bild: Picture-Alliance

Wenn es nach dem Vatikan geht, sollen auf dem Ökumenischen Kirchentag keine Angehörigen anderer Konfessionen zum Abendmahl eingeladen werden. Führende Kirchenvertreter aus Frankfurt wollen sich dem widersetzen.

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          Der Konflikt zwischen dem Vatikan und den deutschen Kirchen über die ökumenische Gastfreundschaft beim Abendmahl spitzt sich zu. Rom will verhindern, dass auf dem bevorstehenden Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt wechselseitige Einladungen ausgesprochen werden. Der F.A.Z. liegt nun ein Papier vor, in dem führende Kirchenvertreter aus Frankfurt ihren Willen bekräftigen, das Abendmahl für Angehörige der jeweils anderen Konfession zu öffnen. Zu den Unterzeichnern zählen unter anderen der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz und der evangelische Stadtdekan Achim Knecht.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Nach den bisherigen Planungen sollen am 15. Mai an mehreren Orten in Frankfurt wechselseitige Einladungen ausgesprochen werden. Der Aktion, die aufgrund der Pandemie auch im Internet übertragen werden soll, können sich zugleich Kirchengemeinden in ganz Deutschland anschließen. Stadtdekan zu Eltz sagte der F.A.Z., dass er bereitstehe, der Eucharistiefeier im Frankfurter Dom vorzustehen.

          Lesen Sie das Dokument hier im Original.

          Grundlage der wechselseitigen Einladung sei das zustimmende Votum des „Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen“ (ÖAK), sagte zu Eltz. Dem ÖAK steht auf katholischer Seite der Limburger Bischof Georg Bätzing vor, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist.

          Aus dem Vatikan gab es nachdrückliche Kritik

          Der Vatikan hat die beiden ÖAK-Papiere zur Abendmahlsfrage nachdrücklich kritisiert. Erst vor einigen Tagen veröffentlichte der Kurienkardinal Kurt Koch einen offenen Brief, in dem er sich verstört über die evangelische Kirche zeigte. Koch kritisierte, dass die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auf ihrer Homepage ganz offen Nichtgetaufte zum Abendmahl einlädt. Inzwischen hat die EKHN die Formulierung geändert.

          Die Kirchenvertreter aus Frankfurt stellen in ihrem neuen Papier klar, dass das Abendmahl beziehungsweise die Eucharistie eine „Feier der Getauften“ sei. Insofern sei die Kritik von Kardinal Koch ernst zu nehmen und „Auftrag zur ökumenischen Selbstprüfung“. Die Kritik aus Rom sei jedoch „kein Hindernis“ für die geplante wechselseitige Gastfreundschaft beim Abendmahl. Die Kirchenvertreter aus Frankfurter wenden sich auch gegen die Vorstellung einer „Rückkehr-Ökumene“. Es könne nicht sein, dass eine Rückkehr der evangelischen Kirchen „zu einer römisch-katholischen Kirche, die sich nicht erneuern muss“, zur Bedingung für die Abendmahlsgemeinschaft gemacht werde.

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