https://www.faz.net/-gpf-6uget

Frankfurter Flughafen : Drehkreuz der Interessen

  • -Aktualisiert am

Das Herz von Rhein-Main: Links die neue Nordwestlandebahn mit den beiden Brücken über die A3. In der Mitte führt die in den achtziger Jahren bekämpfte Startbahn West nach rechts. Oberhalb von ihr ist eine Simulation des Terminal 3 zu sehen Bild: Fraport

100.000 Menschen sollen am Frankfurter Flughafen Arbeit finden. Am Freitag wird die neue Landebahn eröffnet. 11.372 Frösche und Kröten wurden umgesiedelt. Und das sind nicht die einzigen Kosten.

          Mit seinem weißen BMW hat Horst Amann auf der 2800 Meter langen Betonpiste schon öfters mal richtig Gas gegeben. Aber natürlich ist der "Projektleiter Ausbau Flughafen" dabei nicht so schnell unterwegs wie die hier bald mit Geschwindigkeiten bis zu 240 Stundenkilometer landenden Flugzeuge. Der 58 Jahre alte Bauingenieur aus Darmstadt sprüht vor Begeisterung, wenn er im hörbar hessischen Idiom über das bisher wichtigste Projekt seines Berufslebens spricht. Bei der Fahrt auf und rund um die neue Nordwestlandebahn ist der frühere Planer der Deutschen Bahn für ICE-Strecken kaum zu bremsen, als er all die vielen technischen Details erläutert.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Bis Freitag sind auch alle Landebahnmarkierungen zentimetergenau gezogen, die Amann für den Flughafenbetreiber Fraport als Bauherr noch einmal abfährt. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wie geplant an diesem Tag pünktlich um 14.30 Uhr mit dem Regierungs-Airbus aus Berlin als erster Passagier auf der Landebahn in Frankfurt aufsetzt, ist ein Vorhaben vollendet, das vor 14 Jahren erstmals als Forderung der Wirtschaft an die Politik herangetragen wurde.

          Wirtschaftsmotor der Region

          Auf einer Podiumsdiskussion im Oktober 1997 in der Frankfurter Binding-Brauerei hatte der damalige Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Jürgen Weber, vor einem Baustillstand am größten deutschen Flughafen gewarnt: "Wenn die Infrastruktur nicht weiterentwickelt wird, kann der Flughafen eines Tages nicht mehr Wirtschaftsmotor der Region sein." Der Flughafen brauche "mindestens eine neue Start- und Landebahn", um mit der Konkurrenz in Europa wie London-Heathrow oder dem rasant wachsenden Drehkreuz Dubai mithalten zu können. Für die Politik war Webers Forderung unangenehm - nach all den friedlichen Massendemonstrationen mit bis zu 120.000 Teilnehmern und dem Bau eines "Hüttendorfes" am Waldrand in Walldorf, aber auch den gewalttätigen Protesten gegen die 1984 eröffnete Startbahn West. Ein Protest, der erst lange nach der Inbetriebnahme der Piste am 2. November 1987 seinen blutigen Höhepunkt mit tödlichen Schüssen eines militanten Startbahngegners auf zwei Polizisten fand.

          Doch trotz der Gefahr eines abermals aufflammenden Protests nahm der damalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) Webers Forderung positiv auf. Als Lehre aus der nicht im Dialog mit Anwohnern und Umweltschützern durchgesetzten Startbahn West rief Eichel 1998 eine "Mediationsgruppe" ins Leben: Möglichst viele Beteiligte, darunter Umweltschützer und die in der Einflugschneise liegenden Gemeinden, brachte Eichel mit diesem Instrument der Streitschlichtung an einen Tisch. Das Gremium gab im Jahr 2000 nach dem Regierungswechsel zu einer schwarz-gelben Koalition unter Eichels Nachfolger Roland Koch (CDU) die Empfehlung für eine vierte Bahn für den Flughafen ab.

          Nein zum Flughafenausbau

          Allerdings sollte anders als von Lufthansa und Fraport ursprünglich gefordert nur eine im Vergleich zur Startbahn West 2000 Meter kürzere Piste gebaut werden, auf der Flugzeuge dann auch nur landen könnten. Eine Landebahn, auf der wegen der fehlenden notwendigen Länge von rund 4000 Metern auch keine großen Maschinen wie eine Boeing 747 oder der Airbus 380 aufsetzen könnten.

          Weitere Themen

          In zwei Fliegern nach Amerika Video-Seite öffnen

          Kritik an Bundesregierung : In zwei Fliegern nach Amerika

          Bundskanzlerin Angela Merkel und Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fliegen fast zeitgleich an die Ostküste der Vereinigten Staaten. Sie nutzen dabei jedoch zwei getrennte Flugzeuge.

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.