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Kinderarmut in Deutschland : Brennpunkt Schule

Leiterin der Berthold-Otto-Schule in Frankfurt Griesheim: Ingrid König Bild: Helmut Fricke

Frankfurt ist eine der reichsten Städte Deutschlands, Griesheim aber eines der ärmsten Viertel der Stadt. An der Berthold-Otto-Schule sind Lehrer oft alleingelassen und Kinder überfordert – auch von vielen Eltern ist keine Hilfe zu erwarten.

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          Ingrid König ist eine Direktorin vom alten Schlag. Sie kann sich noch erinnern, wie die Kinder aus ihrem Viertel früher in die Schule kamen: mit einem Frühstück im Bauch, einer warmen Jacke, bei Regen mit einem Regenschirm. Die Schulsachen hatten sie meistens dabei, auch eine Brotbox für die Pause. Sie sprachen fast alle Deutsch, wenn auch nicht alle gleich gut. Einfach waren die Verhältnisse, aus denen sie kamen, schon damals: Das Viertel ist eine alte Arbeitersiedlung in Griesheim am westlichen Rand der Frankfurter Innenstadt, Geld gab es hier nie im Überfluss. Aber man versuchte, das Beste daraus zu machen, gemeinsam mit den Eltern.

          Susanne Kusicke
          Redakteurin der Politik.

          Das war vor 30 Jahren. Auch die Schule sah damals anders aus. Neu. Nicht so trist und heruntergekommen wie jetzt. Die Mülleimer wurden regelmäßig geleert, die Toiletten, Büros und Flure geputzt, der Teppich war noch nicht so abgetreten, an den Fenstern im Lehrertrakt hingen Gardinen, die diesen Namen noch verdienten. „Wenn wir es in den Klassenräumen schön und angenehm haben wollen, müssen wir es selber machen“, sagt Ingrid König. Sie sagt es mit einer Mischung aus Trotz und Resignation. Denn sie möchte das auch heute noch für „ihre“ Kinder: gute Bildung, ein warmes Mittagessen, eine lernförderliche Umgebung. Regeln, die verstanden und befolgt werden. Chancen für die Kinder, sich zu entwickeln. Einfach ein Stück Heimat sein, nennt die Direktorin das.

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