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Frankfurt : Zwei mutmaßliche Terroristen festgenommen

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Die Polizei hat im Großraum Frankfurt zwei mutmaßliche Terrorhelfer aus den Reihen der Islamischen Dschihad-Union festgenommen. Sie sollen Kontakte zur sogenannten Sauerland-Gruppe haben, die wohl mehrere Anschläge in Deutschland plante.

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          Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof hat gegen zwei weitere Verdächtige einer mutmaßlichen islamistischen Terrorzelle Haftbefehl erlassen. Die beiden Männer werden der sogenannten Sauerland-Gruppe zugerechnet. Die soll im vergangenen Spätsommer versucht haben, mit Hilfe von mehreren hundert Litern explosiver Chemikalien Bomben herzustellen, um damit nach dem Vorbild der Anschläge vom 11. September 2001 möglichst viele Menschen zu töten. Bei den beiden Inhaftierten handelt es sich um den 27 Jahre alten türkischen Staatsangehörigen Hüseyin O. und den gleichaltrigen deutschen Staatsangehörigen afghanischer Herkunft Omid S.

          Huseyin Ö. war, wie sein Bruder Bekir, seit längerem vom Bundeskriminalamt beobachtet worden. Im Juni vergangenen Jahres waren die Brüder in Pakistan in Haft geraten, nachdem sie möglicherweise ein Ausbildungslager des Terrornetzes Al Qaida besucht hatten. Huseyin wurde, wie sein Bruder, im November 2007 aus der Haft entlassen, nachdem sich auch deutsche Diplomaten in Pakistan um seine konsularische Betreuung gekümmert hatten. Nach der Abschiebung in die Türkei kehrte offenbar zumindest Huseyin nach Deutschland zurück. Er wohnte in Langen bei Frankfurt im selben Wohnblock wie der im vergangenen September verhaftete Adem Yilmaz.

          Kompass und Fernglas für die Islamisten

          Ö. wird von der Bundesanwaltschaft beschuldigt, in zwei Fällen die ausländische terroristische Vereinigung Islamische Dschihad-Union (IJU) unterstützt zu haben. Im Mai 2007 soll er, so die Staatsanwaltschaft, „diverse Ausrüstungsgegenstände für die ausländische IJU beschafft“ haben, beispielsweise Moskitonetze, Taschenlampen, MP3-Player, Akkus, eine Kompassuhr und ein Fernglas. Im Juni 2007 soll er sich auf Vermittlung des Adem Yilmaz von Deutschland aus auf die Reise in ein Ausbildungslager der IJU begeben haben. Vor seiner Abreise soll er Yilmaz seine EC-Karte gegeben haben, damit dieser damit über IJU-Geld verfügen könne. Kurz nach seiner Ausreise wurde das Konto allerdings durch die Bank aufgelöst, so dass Yilmaz nicht mehr auf das Guthaben zugreifen konnte.

          Der zweite Beschuldigte, Omid S., ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft vom Freitag ebenfalls dringend verdächtig, die usbekische Terrororganisation IJU unterstützt zu haben. Auch er soll in einem Ausbildungslager in Pakistan gewesen sein. Zudem soll er seine EC-Karte Adem Yilmaz für Zwecke der Terrorfinanzierung zur Verfügung gestellt haben. Ferner soll er Ausrüstungsgegenstände wie etwa einen Infrarotstrahleraufsatz und ein Fernglas zur logistischen Unterstützung der IJU erworben und bei seiner Reise vom Mai 2007 an Verantwortliche der IJU übergeben haben.

          Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde durch die Festnahme eine Ausreise aus Deutschland verhindert. Der mutmaßliche Terrorhelfer habe möglicherweise nach Pakistan reisen wollen.

          Jetzt acht mutmaßliche Täter in Haft

          Mit den beiden Festnahmen steigt die Zahl der inhaftierten Verdächtigen aus der Sauerland-Gruppe auf insgesamt acht. So wurden am 4. September vergangenen Jahres drei Männer, Gelowitz, Yilmaz und Schneider, in Medebach-Oberschlehdorn im Sauerland verhaftet. Sie wurden überwältigt, als sie versuchten aus verdünntem Wasserstoffperoxid unkonventionelle Sprengladungen zu bauen. Ein Helfer, Attila S. der die Zünder syrischer Bauart für den geplanten Terroranschlag besorgt haben soll, wurde im November 2007 in der Türkei festgenommen.

          Im März 2008 war Aleem N. verhaftet worden. Gegen ihn, der als „Reisebüro“ für terrorbereite Islamisten auf dem Weg zu Ausbildungslagern fungiert haben soll wurde inzwischen Anklage erhoben. Vergangene Woche nahmen Beamte des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg schließlich den neunundzwanzig Jahre alten Ömer O. bei seinen Eltern in Sindelfingen.

          Über die Ursache der Verhaftungsreihe wird spekuliert. Möglicherweise haben einzelne der Beschuldigten inzwischen ihr anfängliches Schweigen gebrochen und berichten in Vernehmungen Details zu den Plänen der Sauerland-Gruppe, die zu weiteren Ermittlungen und Verhaftungen führen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sind bis zu fünfzig Personen im Visier der Ermittler gewesen, die zur Gruppe selbst oder zu deren Umfeld gehören sollen. Der Prozess gegen die drei mutmaßlichen Hauptbeschuldigten soll demnächst in Düsseldorf beginnen.

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