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Frankfurt und Petra Roth : Die Stadt der Frau

Jedes Jahr ermittelt das Bürgeramt, wie zufrieden die Frankfurter mit ihrer Stadt sind. Zu Roths Amtsantritt äußerten 14 Prozent der Befragten, sie seien mit der Situation in der Stadt im allgemeinen unzufrieden, im Jahr 2010, zu dem die jüngsten verfügbaren Zahlen vorliegen, waren es nur noch sechs Prozent. Für viele Themen lässt sich eine ähnliche Entwicklung beobachten, selbst für das Wohnungsangebot, derzeit außer dem Fluglärm das einzige echte Reizthema in der Kommunalpolitik. Besonders signifikant ist, wie stark sich das Sicherheitsgefühl verbessert hat. Empfanden 1995 noch 63 Prozent der Frankfurter den Schutz vor Kriminalität als unzureichend, fiel der Anteil bis 2010 auf 22 Prozent.

Gefälle zwischen Legitimation und Macht

Und wieder die Frage: Was davon ist Roth zuzuschreiben? Um die Gestaltungsmöglichkeiten eines hessischen Oberbürgermeisters einschätzen zu können, muss man den eigenartigen Charakter des Amts berücksichtigen. Das direkt gewählte Stadtoberhaupt ist im Magistrat nur Primus inter Pares; es hat den von der Stadtverordnetenversammlung gewählten Dezernenten gegenüber keine Weisungsbefugnis. Das sorgt für ein Gefälle zwischen Legitimation und Macht, das nur durch Autorität zu überwinden ist. Der Oberbürgermeister besitzt zwar in der Theorie das Recht, die Ressorts zuzuteilen. In der Praxis aber ist er an Koalitionsabsprachen und parteiinterne Vereinbarungen gebunden.

Es ist auffällig, dass in Roths Amtszeit kein politischer Stern neben dem ihren aufgegangen ist. Manche sagen, dass Roth es verstanden hat, potentielle Rivalen kaltzustellen. Tatsächlich musste Rhein, ihr heutiger Nachfolgekandidat, einst auf ihr Geheiß und gegen seinen Willen vom Ordnungsdezernat ins Wirtschaftsdezernat wechseln. Er ließ sich daraufhin nach Wiesbaden in die Landesregierung berufen, ähnlich wie vor ihm schon Udo Corts, der zumindest vom Auftreten her für den Topjob in Frankfurt geeignet gewesen wäre, die Mühen der abendlichen Versammlungen auf Stadtbezirksverbandsebene aber eher gemieden hat. Und so fehlte auch anderen Nachwuchskräften immer irgendetwas: die rednerische Begabung, der Machtwille oder die Bereitschaft, rund um die Uhr für die Karriere zu ackern. Ein politisches Großtalent hat Roth jedenfalls nicht an seiner Entfaltung gehindert.

Für den Erfolg Frankfurts ist es ohnehin viel wichtiger, dass die städtischen Unternehmen und Institutionen erfolgreich geführt werden. Das trifft auf die städtische Wohnungsgesellschaft ABG, den lokalen Energieversorger Mainova und die Messegesellschaft zu. Nur noch in Ausnahmefällen kommen in den Unternehmen gescheiterte Mandatsträger unter. An der Spitze stehen stattdessen Männer mit klaren Vorstellungen und großem Durchsetzungsvermögen, die ihre Erfolge im Stillen genießen können und die Politiker umso mehr ins Licht rücken. Das sind Männer nach dem Geschmack der Oberbürgermeisterin, die jeweils dem Aufsichtsrat vorsitzt.

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