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Frankfurt und Petra Roth : Die Stadt der Frau

Allerdings hat Roth tatsächlich rasch das Potential erkannt, das in der Verbindung mit einer Partei steckte, die den Zeitgeist auf ihrer Seite hat. Während Schwarz-Grün in anderen Großstädten rasch wieder zerbrach, hat es in Frankfurt Bestand. Das liegt zum einen daran, dass die finanziellen Spielräume bisher sehr komfortabel waren. Wichtiger aber noch: Die Protagonisten verstehen sich gut.

Die Türme, die Lichter: Frankfurt verwandelt sich in der Nacht, wenn die Wolkenkratzer, riesigen Straßenlaternen gleich, ihr Licht auf die Stadt werfen. Bilderstrecke

In Frankfurt hat sich seit Roths Amtsantritt viel getan: Der Flughafen wurde erweitert, mehrere Neubaugebiete sind entstanden, die Skyline ist um ein Dutzend Türme reicher geworden. Rund um das sanierte IG-Farben-Haus im Westend ist ein neuer Universitätscampus entstanden und im Stadtwald wurde ein neues Fußballstadion errichtet. Die Mainufer sind neu gestaltet worden, das Technische Rathaus neben dem Dom ist abgerissen, mit dem Wiederaufbau der Altstadt wurde begonnen, das Städel erweitert. Im Ostend schraubt sich der Neubau der Europäischen Zentralbank in den Himmel. Viele Frankfurter würden sich die Augen reiben, wenn sie noch einmal durch ihre Stadt laufen könnten, wie sie 1995 aussah.

Nicht alle Neubauten sind gelungen, aber so geht es in Frankfurt schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts: Diese Stadt häutet sich alle paar Jahrzehnte, sie ist nichts für Sentimentale. Die Lust am Wandel, der immer auch Profitchancen bietet, trägt die Handelsstadt sozusagen in ihren Genen. Die Bremer Kaufmannstochter Roth passt auch deshalb gut hierher. Und es besteht kein Zweifel: Das Stadtbild hat sich verbessert. Roths direkter Anteil daran ist allerdings begrenzt. Die Zahl der Jurys bei großen Architekturwettbewerben, denen sie angehörte, ist überschaubar. Eher hat sie im Nachhinein eingegriffen, wenn ihr etwas partout nicht gefiel.

Ihr Einfluss auf die Entwicklung der Stadt ist so vor allem atmosphärischer Natur. Roth trifft fast immer den richtigen Ton und bewegt sie sich auf einem Volksfest unter einfachen Leuten mit der gleichen Sicherheit wie bei Empfängen in den besseren Kreisen. Beim großen Faschingsumzug war es wieder zu sehen: Roth vermittelt den Eindruck, gern dabei zu sein, ohne sich anzubiedern. Eine Kunst, die nicht viele Politiker beherrschen. Dass Roth mitunter pampig und schneidend sein kann, mindert ihre Popularität nicht, im Gegenteil. Sie versteht es, Leute mit Einfluss und Geld in die Pflicht zu nehmen. Unter den deutschen Stadtoberhäuptern ragt sie heraus, wie auch ihre mehrfache Wahl zur Städtetagspräsidentin belegt. Der Ruf, den Roth außerhalb Frankfurts genießt, ist fast noch besser als der daheim.

Das hören Frankfurter, deren Minderwertigkeitskomplex sich schon daran ablesen lässt, wie begierig sie vernehmen, was andernorts über ihre Stadt gedacht wird, besonders gern. Deshalb studieren sie auch gern Städterankings. Umso lieber, seit ihre Stadt immer häufiger auf vorderen Plätzen auftaucht. Dass die Außenwahrnehmung von Frankfurt sich verändert hat, strahlt auch auf das Lebensgefühl in der Stadt zurück. Wie sehr die Anziehungskraft Frankfurts gestiegen ist, lässt sich objektiv am Bevölkerungswachstum festmachen. Auch andere Statistiken lassen sich als Beleg für eine positive Bilanz von Roths Amtszeit interpretieren.

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