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Krawallmacher vom Opernplatz : Sie sind jung und polizeibekannt

Wer damit gemeint ist, wurde am Montag etwas klarer. Nachdem sich Stadt und Polizei zu einer Sicherheitskonferenz getroffen hatten, sprach der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill von 39 Personen, die noch während der Krawalle festgenommen worden sind. Zehn von ihnen kommen aus Frankfurt, die anderen aus Offenbach, Hanau, Darmstadt, Limburg und Heidelberg. Der „überwiegende Teil“ von ihnen war schon polizeibekannt wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Diebstahl. Der Großteil der Festgenommen hat einen Migrationshintergrund, viele kommen aus Syrien, der Türkei, Marokko und Spanien. Bereswill sagte, bei einigen werde derzeit der Aufenthaltsstatus geprüft. Dazu gibt es eigene Ermittlungen. Frank forderte im Anschluss an die Sicherheitskonferenz am Montag, sich die Lebensläufe der festgenommenen Personen näher anzuschauen. Es sei „wichtig, dass man weiß, woher jemand kommt, wie jemand aufgewachsen ist. Wenn man diesen Vorfall aufklären will, muss man sich diese Fragen stellen“, sagte er. Darüber hinaus gehöre es „zu einer offenen Gesellschaft dazu, auch über Defizite zu sprechen, wenn man weiß, dass man diese angehen muss“.

Offenbar, so lautet die bisherige Bilanz, sind die jungen Männer am späten Samstagabend gezielt nach Frankfurt gekommen. Der Opernplatz hatte sich im erweiterten Umland als neuer Szenetreff herumgesprochen. Ein Ort, an dem unbehelligt getrunken werden konnte, bis in den frühen Morgen hinein. Die Randalierer kamen den Erkenntnissen zufolge erst nach Mitternacht. Um ein Uhr morgens kippte die Stimmung. Andere, die bis dahin friedlich gefeiert hatten, verließen den Platz. Zwei Frauen berichteten später, sie seien auch gegangen, weil ihnen „die Stimmung nicht mehr gefallen hat“. Zurück blieben 800 Feiernde mit viel Alkohol im Blut – und die Randalierer. Nicht ausgeschlossen ist, dass es eine kalkulierte Randale war.

Sperrstunde für den Opernplatz

Die Stadt wird weitere Feiern vor der Alten Oper in den nächsten Wochen dennoch erlauben. Eine generelle Sperrung des Platzes würde auch die Menschen treffen, die sich dort friedlich versammeln. Stattdessen will die Stadt eine Sperrstunde verhängen. Von Mitternacht an darf niemand mehr auf den Platz. Um ein Uhr muss er leer sein. Zudem soll verstärkt kontrolliert werden. Gegen die Randalierer, die aus dem Umland gekommen sind, versucht die Polizei nun Aufenthaltsverbote zu erwirken, so dass sie in den nächsten Wochen nicht mehr in die Stadt kommen dürfen. Dazu braucht sie allerdings die Justiz, es geht nicht ohne einen richterlichen Beschluss. Frank sagte, er wünsche sich, dass die Justiz „ein Signal setzt“. Sie dürfe „nicht kleinreden, was in dieser Nacht passiert ist“.

Es ist das zweite Mal innerhalb von vier Wochen, dass in einer deutschen Großstadt unvermittelt Gewalt ausbricht. Ende Juni kam es in Stuttgart zur Eskalation, auch dort war die Polizei zunächst machtlos, auch dort dokumentierten die Randalierer ihre Taten auf Video und stellten sie ins Netz. Ein Film zeigt, wie die Jugendlichen ein abgestelltes Polizeiauto verwüsten, ein Mann im Hintergrund kommentiert erstaunt: „Alter, leck mich!“ Die Gewalt in Stuttgart ging von den Feiernden im Schlossgarten aus. Auch dort steht ein Opernhaus und davor der sogenannte Schicksalsbrunnen. Von dessen Inschrift, als Blockreim gedichtet, dürfte sich so mancher Polizeibeamte seitdem ungewollt angesprochen fühlen: „Aus des Schicksals dunkler Quelle rinnt das wechselvolle Los, heute stehst du fest und groß, morgen wankst du auf der Welle.“

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