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Folgen des Mindestlohns : Spargel-Alarm beim Bauernverband

Bild: dpa

Gefährdet der Mindestlohn für Saisonarbeiter den Anbau von Obst und Gemüse in Deutschland? Der Bauernverband schätzt, dass Spargel bis zu 30 Prozent teurer wird - und schlägt eine Sonderregelung vor.

          2 Min.

          Der deutsche Bauernverband schlägt „Spargel-Alarm“ - wegen des Mindestlohns für Saisonarbeiter in der Landwirtschaft. Der Verband schätzt, dass Spargel durch die Einführung des Mindestlohns zehn bis dreißig Prozent teurer wird. Der Präsident des Bauernverbands, Joachim Rukwied, sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Wir haben allergrößte Bedenken gegen die Einführung eines Mindestlohns. Der Anbau von Obst, Gemüse und Wein in Deutschland würde darunter erheblich leiden.“ Der Bauernverband befürchtet, dass ein „nicht unerheblicher Teil der Produktion“ ins Ausland abwandert. Das gelte für Spargel, aber auch für Erdbeeren und anderes Obst und Gemüse, sagte Rukwied der F.A.S..

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Bauernverband will das verhindern. Er schlägt deshalb eine Sonderreglung für Saisonarbeiter vor. „Für Beschäftigungen, die auf 50 Arbeitstage im Jahr beschränkt und in der Regel sozialversicherungsfrei sind, sollten nur 80 Prozent des Mindestlohns gelten“, sagte Rukwied. Beim Anbau mancher Obst- und Gemüsekulturen mache der Arbeitseinsatz 60 bis 80 Prozent der Produktionskosten aus. Eine Lohnerhöhung von bis zu 25 Prozent werde daher massiv die Kosten erhöhen. „Gegenüber Produzenten in Ländern wie Polen oder Rumänien, die erheblich weniger zahlen, sind wir dann kaum konkurrenzfähig“, sagte der Bauernverbandspräsident, der sein Anliegen Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vorgetragen hat.

          Nahles lehnt Sonderregelungen ab

          Nahles aber lehnt Sonderregelungen für bestimmte Branchen ab. „Eine Sonderreglung für Saisonarbeiter wäre eine Ausnahme vom Mindestlohn. Das ist nicht vorgesehen. Dann würden andere Branchen mit der gleichen Forderung kommen“, sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums. Es stehe den Branchen frei, bis zur endgültigen Einführung eines Mindestlohns Anfang 2017 den Übergang durch den Abschluss von Tarifverträge zu gestalten. Im Koalitionsvertrag heißt es, man werde „mögliche Probleme, z. B. bei der Saisonarbeit, bei der Umsetzung berücksichtigen.“

          Im Ministerium ist man sicher: Deutscher Spargel wird nicht von der Speisekarte verschwinden, auch wenn es Preisveränderungen geben solle. In den vergangenen Jahren war der Spargelpreis stabil. 2012 betrug er durchschnittlich 6,43 Euro, im Jahre 2013 6,47 Euro und in diesem Jahr wird er voraussichtlich bei 6,27 Euro liegen, wie die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in Bonn der F.A.S. mitteilte.

          Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl sieht hingegen die Gefahr, dass die Produktion von deutschem Gemüse und Obst ins Ausland abwandert, wenn der Mindestlohn für Saisonarbeiter gleich zum 1. Januar 2015 kommt. „Wenn wir 8,50 Euro gleich durchsetzen, dann ist keine deutsche Ware mehr dabei“, warnt Strobl. Gemüse und Obst müssten aber weiter aus regionaler Produktion angeboten werden. In zwei Jahren stiegen die Löhne für die Saisonarbeiter so stark an, dass sie nicht mehr weit vom Mindestlohn von 8,50 Euro entfernt seien. Das sei für die Produzenten verkraftbar.

          Schiewerling: Deutscher Spargel wird teurer

          Ähnlich sieht es der CDU-Arbeitsmarktpolitiker Karl Schiewerling. „Deutscher Spargel wird sicherlich teurer werden“, sagte er. Doch die Folgen für die deutschen Spargelbauern wären nicht einschneidend. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Spargel dann statt in Deutschland in Polen angebaut wird“, sagte Schiewerling. Die SPD-Abgeordnete Katja Mast lehnt eine Ausnahme beim Mindestlohn für Saisonarbeiter ab.

          Regeln für Arbeitsverhältnisse, die eigentlich Studenten Ferienjobs ermöglichen sollten, könne man nicht auf Saisonarbeiter ausweiten, sagte sie. Die Produktion von Obst und Gemüse wird nach Ansicht von Mast nicht durch den Mindestlohn gefährdet. „Deutsches Obst und Gemüse werden auch nach Einführung des Mindestlohns weiter gekauft werden. Es kommt auch auf die Qualität an. Deutsche Erdbeeren schmecken mir besser“, sagt Mast.

          Jährlich kommen etwa 270.000 ausländische Erntehelfer als Saisonarbeiter nach Deutschland. Sie erhalten einen Stundenlohn von etwa 6,50 Euro die Stunde. Früher waren es vor allem Polen, in den vergangenen Jahren hat die Zahl der Rumänen stark zugenommen. In Polen gibt es einen Mindestlohn von 2,21 Euro, in Rumänien von 92 Cent. Eine Beschäftigung von mehreren Wochen reicht dann für die Saisonarbeiter aus, um viele Monate davon in ihrer Heimat zu leben.

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