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Förderverein finanziert Pfarrer mit : Der Graswurzelpfarrer von Falkenstein

Privatisierte Seelsorge: Pfarrer Breidenstein (links) und Förderer Kosfeld Bild: Eilmes, Wolfgang

In einer Kirchengemeinde am Taunus zahlen die Gläubigen ihren Pfarrer zur Hälfte selbst. Ein Förderverein macht´s möglich. Die Landeskirche ist nicht vollends glücklich, allerdings ist die Kirche sonntags voll.

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          Die Frau aus dem Kirchenvorstand kommt an diesem Morgen kaum hinterher. Flink schiebt sie die weißen Zettel mit der Liederreihenfolge des Gottesdienstes zwischen die dünnen Seiten der roten Gesangbücher, während die Besucher in die kleine evangelische Kirche drängen, die sich am Ortsrand von Falkenstein im Taunus an den Hang schmiegt. Kaum ist sie mit einem Buch fertig, nimmt es ihr auch schon wieder jemand aus der Hand. „Das artet ja richtig in Stress aus heute“, sagt sie und lacht kurz. Als Pfarrer Lothar Breidenstein um kurz nach elf seine Predigt beginnt, kann er von der Kanzel aus auf vollbesetzte Holzbänke blicken.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          So wie an fast jedem Sonntag. Denn den Falkensteinern sind ihre Gottesdienste und das Gemeindeleben viel wert. So viel, dass sie bereit sind, auch über die Kirchensteuer und die Kollekte hinaus finanziell dazu beizutragen. Deshalb haben sie den „Förderverein Martin Luther“ gegründet, der seit einem Jahr 50 Prozent der Pfarrstelle Breidensteins finanziert, der an diesem grauen Wintertag - dem ersten Sonntag in der Passionszeit - zu einer Passage aus dem Jakobusbrief über das Thema Versuchungen predigt. Immerhin rund 35.000 Euro muss der Förderverein dafür im Jahr aufbringen. „Wir brauchen einen Pfarrer, der hier lebt und der Zeit für seine Gemeinde hat“, sagt der Vorsitzende Gerhard Kosfeld, der seit 1970 in Falkenstein lebt und den Förderverein gegründet hat. „Das geht nur, wenn er eine Vollzeitstelle hat.“

          Im Jahr 2006 sah es so aus, als würde die evangelische Gemeinde in Falkenstein, einem Stadtteil von Königstein im Taunus außerhalb von Frankfurt, diese Vollzeitpfarrstelle nicht mehr bekommen. Denn die Zahl der Gemeindemitglieder war auf 850 gesunken; nach den Kriterien der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hätte ihr damit nur noch eine halbe Pfarrstelle zugestanden. Das wollte der heute 83 Jahre alte Kosfeld nicht akzeptieren. Er trommelte die Gemeinde zusammen und verhandelte mit dem zuständigen Dekanat in Darmstadt. Dort mussten erst einmal die rechtlichen Voraussetzungen für eine Teilfinanzierung durch die Gemeinde geschaffen werden; dass die Gläubigen ihren Pfarrer selbst bezahlen, war bislang nicht vorgesehen. Doch die Regelungen wurden geändert, und der Förderverein übernahm ein Viertel der Kosten, ein weiteres Viertel kommt durch zusätzliche Aufträge für Pfarrer Breidenstein herein, etwa die Organisation der Notfallseelsorge im Dekanat.

          1991 wählt die Gemeinde Kosfeld zum Vorsitzenden

          Bis heute ist das Falkensteiner Modell in der EKHN einzigartig. „Es schlagen zwei Herzen in unserer Brust“, sagt Stephan Krebs, der Sprecher der Landeskirche. Auf der einen Seite findet er es gut, dass einigen Menschen ihre Kirchengemeinde so wichtig ist, dass sie dafür noch zusätzliches Geld auf den Tisch legen. Zugleich habe der Fall des für seine hohe Millionärsdichte bekannten Falkenstein aber auch ein elitäres Moment, findet Krebs. „Im Grunde ist das ein Bruch mit den Grundprinzipien unserer Kirche.“ Für diesen Bruch gibt es auch in ganz Deutschland nur wenige andere Beispiele. So wie das zum badischen Schwanau gehörende Allmannsweier, das im Jahr 1998 für Aufsehen sorgte. Als dort die Pfarrstelle gestrichen werden sollte, beschloss der Unternehmer Martin Herrenknecht, die Hälfte der Personalkosten zu übernehmen. Die andere Hälfte bezahlte weiterhin die Landeskirche. Von 2014 an wird Herrenknecht die Kosten sogar komplett übernehmen.

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