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Förderung für Leistungsstarke : Stunde der Musterschüler

Die Kultusministerkonferenz will dafür sorgen, dass leistungsstarke Schüler in Zukunft früher erkannt und gefördert werden. Bild: dpa

Jahrelang haben sich die Kultusminister auf leistungsschwache Schüler konzentriert. Nun wollen sie auch Leistungsstarke besser fördern. Doch so einfach ist das nicht.

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          Mit Verordnungen lassen sich keine Mentalitäten ändern. Das wissen auch die Kultusminister. Noch vor wenigen Jahren aber wäre ein gemeinsamer Beschluss, die leistungsstärkeren Schüler gezielt zu fördern, kaum denkbar gewesen. Auch wenn Pisa schon im Jahr 2000 gezeigt hat, dass die Spitzengruppe der Leistungsstärksten in Deutschland nicht nur zu schmal ausfällt, sondern in den darauffolgenden Studien noch kleiner wurde, haben sich die Minister bisher auf die Leistungsschwächsten konzentriert.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Das gibt inzwischen auch die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) zu. Ohne Erfolg war das nicht, denn ausweislich der letzten Studien hat die Gruppe der Leistungsschwachen abgenommen. Die Starken zu fördern, „gehört für mich ebenso zur Frage der Bildungs- und Chancengerechtigkeit“, sagte Kurth in Berlin. Die KMK will deshalb auch in der Lehrerbildung dafür sorgen, dass leistungsstarke Schüler früher erkannt und gefördert werden. Die von der KMK vorgelegte Förderstrategie trägt sämtliche in den Ländern üblichen Verfahren zusammen. So könnte es Spezialklassen, besondere Unterrichtsformen, Bildungspartnerschaften mit kompetenten außerschulischen Fachleuten und eine intensivere Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern geben.

          Die Vorschläge sind aller Ehren wert, werden die Schulen vor Ort aber solange nicht weiterbringen, wie es bei Absichtserklärungen bleibt. „Jede Schule in jedem Bundesland braucht ein am Gesamtunterrichtsvolumen orientiertes Zusatzbudget von Unterrichtsstunden für eine breite Begabtenförderung“, forderte der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes Heinz-Peter Meidinger. Gegenwärtig scheuen sich nicht nur viele Lehrer vor den Konflikten, die mit besonders herausfordernden Aufgaben für Begabte verbunden sind. Nicht selten beschweren sich dann Eltern anderer Schüler oder die Begabten geben sich lieber gar nicht als solche zu erkennen, weil sie fürchten, als „Streber“ verschrien zu sein. Außerdem ist es gängige Praxis, dass die Begabtenförderung Streichungen als erste zum Opfer fällt, wenn Unterrichtsausfall droht oder Lehrerengpässe zu bewältigen sind.

          Lehrermangel kommt dazwischen

          Wer als Lehrer begabte Schüler bei Jugendolympiaden, Wettbewerben wie Jugend forscht und anderen begleitet, muss das zusätzlich zu seiner normalen Unterrichtsverpflichtung leisten. Angesichts des bevorstehenden Lehrermangels vor allem in den ostdeutschen Ländern dürfte das immer schwieriger werden. Engpässe wird es nach Berechnungen der KMK vor allem bei den beruflichen Schulen, aber auch in der Sonderpädagogik, sowie in Mathematik und Naturwissenschaften geben.

          Erstmals hat die KMK nun auch einen Blick in den gemeinsamen Aufgabenpool zugelassen, der vom Jahr 2017 für Abituraufgaben in Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch im Abitur zur Verfügung stehen soll. Jedes Land kann für jedes der vier Prüfungsfächer mindestens eine Aufgabe für die eigene Abiturprüfung verwenden. Die KMK verspricht sich davon mehr Vergleichbarkeit für die Abiturprüfungen, die allerdings nur dann gewährleistet wäre, wenn auch die Benotung überprüft würde. Das ist bisher nicht der Fall.

          Durch eine Inflation von Spitzennoten gibt es zunehmend Kritik an unterschiedlichen Bewertungsmaßstäben. Zwar gibt es für alle möglichen Schulstufen Vergleichsstudien, noch nicht aber für die unterschiedlichen Abiturprüfungen und deren Bewertung in den Ländern. Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) will als Sprecher der unionsgeführten Länder gemeinsam mit den Ministern aus Hessen und Sachsen die Qualitätssicherung des Abiturs dauerhaft in einem Staatsvertrag verankern. Ein Staatsvertrag habe die höchste Bindewirkung, sagte Spaenle.

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