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Hochwasserkatastrophe : Musste es so kommen?

Das Dorf Schuld nach der Flut Bild: dpa

Niemand kann eine Flut aufhalten. Aber musste es so kommen? Der alte Traum, uns könne nichts passieren, lebt fort. Resilienz entsteht aber nicht im Schlafwagen.

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          Niemand kann eine Flut aufhalten. Aber ob das Hochwasser diese Folgen hätte haben müssen, das muss gefragt werden. Der Staat kann mitunter nicht viel mehr tun als warnen und aufklären. Dazu ist er aber auch verpflichtet; das Unterlassen kann Leben kosten. Deshalb drängt sich jetzt die Frage auf: Wussten die Behörden von einem absehbaren extremen Hochwasser an bestimmten Orten? Haben sie rechtzeitig gewarnt, und wie haben sie sichergestellt, dass die betroffenen Bürger erreicht werden?

          Noch gilt es zu retten, zu helfen und zu heilen. Aber die Verantwortung nicht nur für den Klimawandel, sondern ganz konkret für den Schutz der Menschen wollen nicht nur Opfer geklärt wissen.

          Diese Frage ist gesellschaftlich und gesamtstaatlich bedeutsam, weil die nächste Katastrophe bald drohen könnte. Und dann soll niemand mehr im Schlaf von einem Hochwasser überrascht werden, vor dem er womöglich hätte gewarnt werden können. Umfassend aufgearbeitet werden muss in der Tat die Rolle des Schutzes der Bevölkerung, für die man im Kalten Krieg (Atom-)Bunker baute, die aber später sträflich vernachlässigt wurde. Der samstägliche Sirene-Probealarm allerorten ist vielen noch in Erinnerung. Aber der Bürger muss nicht nur erreicht werden, er muss wissen, was er zu tun hat – nicht nur im Fall einer Überschwemmung, sondern auch bei einem atomaren, biologischen oder chemischen Unglück.

          Eine Naturkatastrophe sollte den föderalen Staat wecken

          Es geht also jetzt nicht um die krampfhafte Suche nach Sündenböcken, wohl aber um die Klärung von Verantwortlichkeiten und die Überprüfung der Strukturen des grundsätzlich funktionierenden föderalen Staates – der sich aber auf einigen Feldern in einem Dornröschenschlaf befindet, bei der Digitalisierung etwa oder bei Genehmigungsverfahren. Eine Naturkatastrophe sollte ihn eigentlich wecken, aber sicher ist das nicht.

          Denn der alte Traum, uns könne nichts passieren und wir müssten uns nicht kümmern, lebt fort. Gesellschaftliche Resilienz entsteht aber nicht im Schlafwagen, sondern durch freie Bürger, die selbst anpacken, wie jetzt wieder zu sehen ist, die aber auch den Staat an seine Aufgaben erinnern.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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