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Flughafen Berlin : Ganz grandios gescheitert

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Im Besucherzentrum ist die Uhr stehengeblieben Bild: dapd

Sekt und Selters waren fast schon kalt gestellt, da kam die offizielle Absage. Die Verschiebung der Eröffnung des neuen Berliner Flughafens wirft ein Licht auf fundamentale Mängel, die noch viel Geld kosten werden.

          6 Min.

          Ganz groß gefeiert werden sollte an diesem Donnerstag. Seit Mitte Dezember hielten sich viele den Nachmittag des 24. Mai im Kalender frei - die Bundeskanzlerin zum Beispiel. Es sollte keine Feier nur für Prominente und Politiker und Manager werden, sondern auch eine für Bauarbeiter und Berliner und Brandenburger. Die Zahl der erwarteten Gäste schwankte zwischen 10.000 und 40.000. Fernsehkanäle hatten Sondersendeplatz vorgehalten. 500 Journalisten hatten sich für das Fest akkreditiert; die Flughafengesellschaft hatte sich noch Ende April ihre Teilnahme per Fax bestätigen lassen.

          Kerstin Schwenn
          (enn.), Wirtschaft

          Ganz groß sollte auch die LED-Leinwand auf dem Vorfeld werden, welche die Organisatoren von Compact Team installieren wollten: Auf 600 Quadratmetern sollten darauf eigens produzierte Filme und Kompositionen rund um das Thema „Freiheit“ gezeigt werden. Sekt und Selters waren fast schon kalt gestellt, die Brötchen fast geschmiert, als die Gastgeber vor zwei Wochen die Sause zur Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg absagten. Ganz große Blamage.

          „Willy-Brandschutz-Flughafen“

          Die offizielle Ausladung kam so kurzfristig wie die Absage, nämlich erst am Dienstag dieser Woche: „Leider musste die Eröffnung des neuen Flughafens auf den 17. März 2013 verschoben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis“, heißt es in der kurzen E-Mail. Derweil fehlt den meisten das Verständnis für das Geschehen auf dem Flughafen im Südosten der Stadt, dem Berlins einst Regierender Bürgermeister seinen Namen leiht.

          Die Verballhornung zum „Willy-Brandschutz-Flughafen“ lag auf der Hand, war es doch die fehlende Funktionsfähigkeit der Entrauchungsanlage im Terminal, die das Flughafenmanagement am 8. Mai zur Aufgabe des Eröffnungstermins am 3. Juni zwang. Längst ist das enorme Ausmaß der Versäumnisse auch dadurch belegt, dass die Flughafenaufseher aus Berlin, Brandenburg und dem Bund nach Rücksprache mit allen am Bau beteiligten Unternehmen sowie den Fluggesellschaften nicht mehr wagten, eine Eröffnung Ende Oktober anzukündigen. Sie flüchteten sich in den März 2013.

          Partielle personelle Konsequenzen: Der Aufsichtsrat, angeführt von Berlins Bürgermeister Wowereit, hat Manfred Körtgen entlassen. Auf Bewährung bleiben darf vorerst Flughafen-Geschäftsführer Schwarz Bilderstrecke
          Partielle personelle Konsequenzen: Der Aufsichtsrat, angeführt von Berlins Bürgermeister Wowereit, hat Manfred Körtgen entlassen. Auf Bewährung bleiben darf vorerst Flughafen-Geschäftsführer Schwarz :

          Inzwischen hat sich der Aufsichtsrat, angeführt von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), zu partiellen personellen Konsequenzen durchgerungen. Der technische Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Manfred Körtgen, muss zum 1. Juni seinen Platz räumen. Fristlos geschasst wurde auch die Planungsgemeinschaft PG BBI, zu der das Büro des renommierten Flughafenarchitekten Meinhard von Gerkan und das Ingenieurbüro JSK gehören. Auf Bewährung bleiben darf vorerst Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz. Darüber hatte der Aufsichtsrat gestritten. Der eine oder andere gab in der Marathonsitzung in der Nacht zu Himmelfahrt zu bedenken, dass ein Bauernopfer angesichts der großen Peinlichkeit nicht ausreiche. Doch niemand wollte sich hervortun mit der Forderung nach Schwarz’ Rausschmiss. So konnte Wowereit, der den Manager 2006 vom Flughafen Düsseldorf nach Berlin geholt hatte und unbedingt halten wollte, seine Kritik auf Körtgen und die bauüberwachenden Architekten münzen. Sie hätten „Probleme nicht erkannt“.

          Darüber, wer welche Probleme nicht erkannt hat und inwieweit dies auch Wowereit angeht, wird in Berlin weiter debattiert. Dem Auskunft begehrenden Verkehrsausschuss des Bundestages sagte Wowereit am Mittwoch ohne Begründung ab. Die Grünen reagierten verärgert: Wowereits Absage „ist beschämend und passt zu seiner wurstigen verantwortungslosen Haltung, als Aufsichtsratsvorsitzender jegliche Fehler und Schlampereien auf das Management abzuwälzen“, monierten sie.

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