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Flughafen-Debakel : Eröffnungstermin bleibt ungewiss

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Am Donnerstag Thema im Verkehrsausschuss: Das Debakel um den Hauptstadtflughafen BER Bild: dpa

Der neue Großflughafen in Berlin werde „vielleicht eher 2015“ eröffnen, hatte Technikchef Amman verlauten lassen. Vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages gesteht er ein, mit der Nennung eines Termins, einen Fehler gemacht zu haben.

          Nach dem Wechsel an der Spitze des Berliner Flughafen-Aufsichtsrates ist weiter völlig unklar, wann ein neuer Termin für die Eröffnung des Airports genannt wird. Zunächst werde die Planung für den Flughafen bis zum Frühsommer ausgesetzt, erst danach könne seriös ein neues Datum genannt
          werden, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Donnerstag nach einer Sitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses.

          Zuvor hatte die Äußerung von Flughafen-Technikchef Horst Amman für Wirbel gesorgt, der Flughafen werde „vielleicht eher 2015“ öffnen. Dazu sagte der Ausschussvorsitzende Anton Hofreiter (Grüne), Amman habe in der Ausschusssitzung eingestanden, mit der Nennung eines möglichen neuen Termins „einen schweren Fehler“ gemacht zu haben. Das Projekt könne nur gelingen, wenn Bund, Berlin und Brandenburg als die drei Gesellschafter konstruktiv zusammenarbeiteten, sagte Hofreiter.

          Nach Platzecks Angaben wird es noch einige Wochen dauern, bis ein Nachfolger für den am Mittwoch entlassenen Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz gefunden sein wird. Er setze hier auf Qualität, sagte Platzeck, der am Mittwoch zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafen-Gesellschaft gewählt worden war. Er übernahm dieses Amt von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). 

          Bei den Beratungen des Ausschusses wurde zudem bekannt, dass an die Flughafen-Planer offenbar weit mehr nachträgliche Änderungswünsche herangetragen wurden als bislang bekannt. Die Planer hätten von 500 statt der bislang bekannten 298 Änderungswünsche gesprochen, sagte der Linken-Abgeordnete Herbert Behrens. Diese Wünsche gelten als ein Grund für die Verzögerung beim Flughafenbau. Zuletzt war der 27. Oktober 2013 als angepeilter Termin geplatzt.

          Nach der Anhörung Platzecks wurden bei der Union abermals Zweifel an ihm als Aufsichtsratschef geäußert. Es stelle sich die Frage, „ob der neue Aufsichtsratsvorsitzende genügend Kapazitäten für das Krisenmanagement hat“, erklärten die beiden CDU-Abgeordneten Peter Wichtel und Dirk Fischer. Auch die FDP-Abgeordnete Petra Müller erklärte, anstelle Platzecks hätte ein Fachmann an die Spitze des Aufsichtsrates berufen werden sollen.

          Matthias Platzeck will dem Ausschuss die nächsten Schritte schildern und über einen möglichen Eröffnungstermin sprechen Bilderstrecke

          Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sah keine Mitschuld des Bundes an den Bauverzögerungen beim Berliner Flughafen. „Ich trage die Verantwortung des Bundes und habe die Verantwortung immer in vielfältiger Weise wahrgenommen“, sagte Ramsauer am Morgen in der ARD. „Nach der Verschiebung der Eröffnung im Mai vergangenen Jahres habe er eine Sonderkommission eingesetzt, die
          „viele konstruktive Dinge zu Tage gebracht“ habe. Fehler habe er sich nicht vorzuwerfen, sagte Ramsauer.

          Geschäftsführer Schwarz habe er eigentlich schon im vergangenen Herbst von seinen Pflichten entbinden wollen, sagte Ramsauer. Es sei dabei nicht nur darum gegangen, den Flughafenchef zu „feuern“. „Man braucht eine Optimierung: Man braucht neue Leute dabei, im übrigen auch im Aufsichtsrat, die jetzt nach vorne blicken.“ Dies sei nun „endlich geschehen“.

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