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Flüchtlingsstatistik 2019 : Kein Anlass zur Erleichterung

Zwar ist die Zahl der in Deutschland Asyl Suchenden gesunken, in Europa insgesamt ist sie hingegen gestiegen. Bild: dpa

Die Flüchtlingsstatistik 2019 zeigt: Die Fluchtbewegungen insgesamt werden nicht geringer, sie verändern sich nur. Die Europäer sollten wenigstens dort gemeinsam handeln, wo sich weitere Stabilitätsverluste abzeichnen.

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          Die – vorläufige – Flüchtlingsstatistik für das zu Ende gehende Jahr bietet trotz einiger guter Nachrichten keinen Anlass, erleichtert zu sein. Zwar ist die Zahl der in Deutschland Asyl Suchenden gesunken, in Europa insgesamt ist sie hingegen gestiegen; zwar schrumpft also Deutschlands Bedeutung als Aufnahmeland, aber die Fluchtbewegungen insgesamt werden nicht geringer, sie verändern sich nur.

          Ein Blick auf die Herkunftsländer zeigt es: Nach Syrern und Afghanen bilden inzwischen Venezolaner die drittgrößte Gruppe der Schutzsuchenden.

          Appelle an die Politik, sie müsse mehr tun zur Bekämpfung von Fluchtursachen, sind hilflose Floskeln. Die Heimatländer, aus denen sich die Flüchtlinge in Sicherheit bringen, bieten zahlreiche Beispiele an politischem Unvermögen wie an politischem Scheitern: In Afghanistan versucht die internationale Gemeinschaft seit 18 Jahren, stabile Verhältnisse für alle zu schaffen; im Irak ist der Versuch bisher nicht gelungen, eine diktatorische Herrschaft durch neue Stabilität zu ersetzen, in Syrien ist dieser Versuch vom Westen gar nicht erst vehement unternommen worden.

          Die neuen Ländernamen, die sich in der Flüchtlingsstatistik nach oben schieben, lösen noch größere politische Ratlosigkeit aus: Venezuela? Türkei? Nigeria?

          Die Europäer sollten wenigstens dort gemeinsam handeln, wo sich weitere Stabilitätsverluste – und Fluchtbewegungen – für die Zukunft abzeichnen: in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

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