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Flüchtlingsdebatte : Die Unerwünschten vom Balkan

  • -Aktualisiert am

Die Dublin-Verordnung sieht das vor - doch sie existiert nur noch auf dem Papier. 2500 Menschen reisten schließlich aus. Das war aber nur ein Prozent der Antragsteller des Jahres 2014. Ein sinnloses, zeitraubendes Unterfangen. Umständlich ist auch, dass sowohl die Bundespolizei als auch das BAMF Personalien und Fingerabdrücke der Asylbewerber erfassen. Geht das nicht einfacher?

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Politisch stellt sich die Frage, ob die Einstufung von Albanien, dem Kosovo und Montenegro als „sichere Herkunftsländer“ Menschen davon abhalten würde, nach Deutschland zu kommen. Seit November 2014 gilt das Etikett für Serbien, Mazedonien und Bosnien. Bisher zeichnet sich nicht überzeugend ab, dass das hilft.

Die Debatte darüber müssen vor allem die Grünen unter sich führen. Denn als der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann im Bundesrat der Ausweisung der ersten drei Balkanstaaten als sichere Herkunftsländer zustimmte, gab es Zoff. Für die Grünen im Bund war das ein „Angriff auf das Grundrecht auf Asyl“.

Nürnberger Amt startet Kampagne in Albanien

Mehr Einfluss auf die Wanderungsbewegungen hat jedoch, welche Hoffnungen die Menschen mit einer Reise nach Deutschland verbinden. Die Kosovaren, die im Frühjahr kamen, waren Gerüchten von Schleusern aufgesessen, in Deutschland gebe es Jobs und Grundstücke für sie. Noch heute kommen Menschen von dort mit fingierten Arbeitsverträgen in den Händen. Sie sind maßlos enttäuscht, wenn sie hören, dass es „ihre“Firma gar nicht gibt.

Das Nürnberger Amt hat nun eine Informationskampagne in Albanien gestartet. Für kleines Geld schaltete es Anzeigen in mehreren Tageszeitungen. Darin erklärt es, dass für Albaner keine Chance auf Asyl bestehe und dass es für Bewerber keinen Weg in den deutschen Arbeitsmarkt gebe.

Die Bundespolizei geht einen ähnlichen Weg. Sie hat gerade im Auftrag des Innenministeriums einen Fünf-Minuten-Film gedreht. Er erklärt, dass jede Familie ihre Abschiebung selbst zahlen muss, wenn sie nicht freiwillig geht. Sie kehre dann ärmer nach Hause zurück, als sie zuvor war, heißt es drohend auf Deutsch und in albanischer Übersetzung. Die deutsche Botschaft in Tirana soll nun für die Verbreitung des Films sorgen.

Manchmal hilft nicht Geld, sondern Psychologie

Der Landkreis Lörrach hilft sich inzwischen selbst. Er hat im Juli knapp 400 Asylbewerbern vom Balkan Geld für die Rückkehr nach Hause angeboten. Für eine dreiköpfige Familie waren das bis zu 1858 Euro. Jede vierte Familie nahm das Angebot an. Manchmal hilft aber nicht Geld, sondern Psychologie. „Oftmals erfüllen sich die Träume und Hoffnungen der Einwanderer nicht“, sagt die Sozialdezernentin des Landkreises. „Die Sprache ist schwer, sie vermissen Freunde und Familie, haben Heimweh. Und niemand ist auf Dauer glücklich, wenn er von Sozialleistungen lebt.“

Sie berichtet von einem jungen Iraker, der gerne wieder nach Hause wollte. Er traute sich aber nicht zu gehen, weil seine Familie so hohe Erwartungen in ihn gesetzt hatte. Er wollte nicht einmal mit seinen Verwandten darüber reden. Eine Dolmetscherin rief dann bei der Mutter an. Sie sagte: „Ich vermisse meinen Sohn so sehr. Ich würde mich so freuen, wenn er zurückkäme.“ Erst da war der Weg nach Hause für ihn frei.

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