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Flüchtlinge in Köln : Letzte Zuflucht Praktiker-Baumarkt

In diesem ehemaligen Praktiker-Baumarkt sollen demnächst Flüchtlinge einziehen Bild: Stadt Köln

Wie viele andere Städte fühlt sich Köln mit den Asylbewerbern überfordert. Nun soll ein ehemaliger Baumarkt als Unterkunft dienen. Flüchtlingsvertreter kritisieren die Zustände als „menschenunwürdig“.

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          Der Zustrom der Flüchtlinge in Köln schwillt so stark an, dass sich die Stadt zu höchst ungewöhnlichen Maßnahmen gezwungen sieht: Ein ehemaliger Praktiker-Baumarkt im Stadtteil Porz soll künftig als Notunterkunft für Flüchtlinge dienen. Auf der früheren Verkaufsfläche, die seit der Praktiker-Insolvenz im vergangenen Jahr leer steht, werden demnächst etwa 200 Betten aufgestellt, wie Sozialdezernentin Henriette Reker angekündigt hat.

          Keine Trennwände erlaubt

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Trennwände sind in der großen, kahlen Halle mit dem Betonboden aus Brandschutzgründen nicht erlaubt. Für ein Mindestmaß an Privatsphäre will die Stadt nach eigenen Angaben dennoch sorgen. Details dazu gibt es noch keine. Auf dem Parkplatz des derzeit unter Zwangsverwaltung stehenden Gebäudes werden Sanitäranlagen und Duschen in Containern zur Verfügung gestellt. Den Betrieb der Notunterkunft übernimmt das Rote Kreuz.

           Ein ehemaliger Baumarkt im Stadtteil Porz soll künftig als Notunterkunft für Flüchtlinge dienen.
          Ein ehemaliger Baumarkt im Stadtteil Porz soll künftig als Notunterkunft für Flüchtlinge dienen. : Bild: AP

          Heftigen Widerspruch erntete die Stadt vom Kölner Flüchtlingsrat. Als „menschenunwürdig“ kritisierte Geschäftsführer Claus-Ulrich Prölß diese Art der Unterbringung. „Und was kommt danach? Zelte, Schiffe und Schlafen auf den Rheinwiesen?“, fragte er überspitzt. Wie viele andere Kommunen habe die Stadt Köln die Entwicklung verschlafen, schließlich verzeichne man schon seit 2008 einen Anstieg der Flüchtlingszahlen. Zudem verlaufe die Koordination zwischen den verschiedenen Dienststellen unzureichend. Nach Ansicht von Prölß hätte viel früher mit dem Bau von geeigneten Unterkünften begonnen werden müssen. Laut den städtischen Leitlinien wären das Wohnhäuser mit mehreren Einheiten für insgesamt maximal 80 Personen.

          „Stadt hat keine andere Wahl mehr“

          Der Schritte falle Köln sehr schwer, sagte Rieker. Aber es sei eine Situation eingetreten, die der Stadt keine andere Wahl mehr lasse. Die Unterbringungskapazitäten seien erschöpft. Allein in der vergangenen Woche seien 230 Flüchtlinge neu in Köln angekommen. Insgesamt muss die Stadt knapp 4300 Flüchtlinge – vor allem aus den Ländern des früheren Jugoslawien, aus Iran, Irak, Syrien und Afghanistan - unterbringen. Im August 2013 waren es erst 2500 Flüchtlinge.

          Der Baumarkt wird schon die dritte Notaufnahmestelle in Köln sein. In den beiden bereits bestehenden Einrichtungen leben momentan rund 700 Menschen in Containerhäusern. Weitere 1200 Flüchtlinge sind in 17 einfachen Hotels untergebracht, 2300 in Wohnungen und Wohnhäusern. In einer sogenannten Notunterbringung in Gemeinschaftsräumen befinden sich weitere 51 Personen.

          Flüchtlingsunterkunft in ehemaligem Hotel

          Einiges Aufsehen hatte auch schon eine andere Maßnahme in Köln hervorgerufen. Im Juni erwarb die Stadt in einer Zwangsversteigerung für angeblich knapp 6 Millionen Euro das Hotel „Bonotel“ im Stadtteil Marienburg, um daraus eine Flüchtlingsunterkunft zu machen. Das 4000 Quadratmeter große Vier-Sterne-Hotel verfügt über 93 Zimmer sowie einen Wellnessbereich und beschäftigt 30 Angestellte. „Mein Pachtvertrag würde eigentlich noch bis 2019 laufen“, ärgert sich Pächter Andreas Degen, geschäftsführender Gesellschafter der Marienburger Bonotel Hotelbetriebsgesellschaft mbH. Zum Jahresende habe die Stadt von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht und klage derzeit auf Räumung. Degen lässt derzeit juristische Mittel prüfen. Nach dem Tod der beiden Eigentümer stand das Hotel zwei Jahre lang unter Zwangsverwaltung, Anfang Juni kam es zu der Zwangsversteigerung.

          Nach den jüngst bekannt gewordenen Fällen von Misshandlungen in nordrhein-westfälischen Flüchtlingsheimen sprach Reker dem in Köln tätigen Sicherheitsunternehmen Adlerwache ihr Vertrauen aus. Schon seit Jahren arbeite die Stadt gut mit Adlerwache zusammen. Die Mitarbeiter seien von der Industrie- und Handelskammer zertifiziert und hätten eine sogenannte Wächtergenehmigung vom Ordnungsamt, für welche die private und berufliche Vorgeschichte geprüft werde.

          September 2014 : Prüfung von Sicherheitspersonal

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