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Verbreitung des Virus : Jeder zweite Flüchtling in Ellwangen hat Corona

Mehrsprachige Aushänge weisen auf Corona am Eingang der Unterkunft in Ellwangen hin. Bild: dpa

In der Erstaufnahme für Flüchtlinge in Ellwangen wurden alle Bewohner getestet – eine Ausnahme in ganz Baden-Württemberg. Das Ergebnis lässt vermuten, dass es auch in anderen Unterkünften viele unentdeckte Infektionen gibt.

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          In der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) für Flüchtlinge in Ellwangen begann man schon Ende Februar damit, sich auf eine mögliche Ausbreitung des Coronavirus unter den 580 Flüchtlingen vorzubereiten. Anfang März klärte die LEA-Leitung mit Piktogrammen und mehrsprachigen Flyern über die Infektionsgefahr auf. Aber – ähnlich wie in Pflege- oder Altersheimen – ist die Ansteckungsgefahr in Flüchtlingsunterkünften besonders groß, weil Menschen auf engem Raum zusammenleben, weil es gemeinsame Dusch- und Speiseräume gibt.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Anders als in den sechs anderen Erstaufnahmeeinrichtungen in Baden-Württemberg und im Ankunftszentrum Heidelberg ordnete das Gesundheitsamt des Ostalb-Kreises für Ellwangen vor wenigen Tagen an, alle Flüchtlinge sowie die Belegschaft komplett zu testen. Von 580 Flüchtlingen, die größtenteils aus Nigeria, Eritrea, Iran, Afghanistan und dem Irak stammen, haben sich 259 mit dem Coronavirus infiziert. Zusätzlich machten die Ärzte bei 204 Mitarbeitern, die entweder dauerhaft in der LEA arbeiten oder dort zeitweise als Mitarbeiter von privaten Sicherheitsfirmen beschäftigt sind, die Corona-Abstriche: Diagnostiziert wurde, dass sich auch 22 Mitarbeiter infiziert haben. In der LEA-Außenstelle in Giengen an der Brenz stellten die Mediziner weitere Infektionen fest. Von den dort untergebrachten 39 Flüchtlingen wurden 13 positiv auf das Coronavirus getestet.

          Der Befund aus Ellwangen dürfte durchaus typisch für viele Flüchtlingsunterkünfte sein, nur ist andernorts meistens nicht systematisch getestet worden. „Wir hatten zunächst vor zwei Wochen einen Corona-Verdachtsfall, zwei Tage später einen weiteren und mehrere Kontaktpersonen, die wir in Quarantäne geschickt haben. Dann hatten wir Stand 2. April eine infizierte Person und Stand 5. April insgesamt 7. Weil das Landratsamt eine vollständige Testung angeordnet hat, haben wir nun einen guten Überblick“, sagt Thomas Deines, der für die Flüchtlingsbetreuung zuständige Referatsleiter im Stuttgarter Regierungspräsidium. Die Unterbringung und Verpflegung von Infizierten und Nicht-Infizierten findet nun strikt getrennt in unterschiedlichen Gebäuden statt.

          „Vielen Flüchtlingen fehlt die Tagesstruktur“

          In den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes leben derzeit 3125 Flüchtlinge, von ihnen, so das Innenministerium, seien 274 Personen mit SarsCov-2-Virus infiziert, 259 in der LEA in Ellwangen. Dass sich in den sechs übrigen Einrichtungen nur 15 weitere Flüchtling mit dem Virus angesteckt haben sollen, ist aber ausgesprochen unwahrscheinlich, mangels Testung ist die Dunkelziffer hoch. Seit Anfang März sind grundsätzlich nur neu ankommende Flüchtlinge getestet worden. Um sich auf eine steigende Zahl von an Corona erkrankten Flüchtlingen vorzubereiten, ließ die grün-schwarze Landesregierung in der kleinen Gemeinde Althütte-Sechselberg im Landkreis Rems-Murr eine kleine Quarantäne-Unterkunft für Flüchtlinge einrichten, dort können maximal 60 infizierte Flüchtlinge untergebracht werden. Angesichts der fortschreitenden Ausbreitung des Virus könnte es bald notwendig werden, weitere Quarantäne-Erstaufnahmeeinrichtungen in anderen Landkreisen zu schaffen.

          Seit Beginn der Pandemie gelten für die Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen Ausgeh- und Kontaktbeschränkungen. „Weil wir in der LEA Sporträume schließen mussten und keine Kinderbetreuung mehr anbieten konnten, fehlt vielen Flüchtlingen die Tagesstruktur, sie kämpfen natürlich mit Langeweile. Einigen fällt es auch schwer, ein positives Corona-Testergebnis zu akzeptieren, weil sie keine Krankheitssymptome haben“, sagt Deines. Es gibt aber auch Aspekte die Deines hoffnungsvoll stimmen: Die meisten Flüchtlinge sind relativ jung und zwischen 25 und 38 Jahre alt, auch wenn einige Flüchtlinge Vorerkrankungen wie HIV oder Tuberkulose haben, gib es in Ellwangen bislang kaum schwere Krankheitsverläufe. Nur ein mit Corona infizierter Flüchtling aus der Ellwangen musste bislang stationär therapiert werden.

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