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Flüchtlinge willkommen : Ein Dorf gegen die italienische Regierung

Bild: Imago

Ein vergessenes Örtchen in Kalabrien nimmt gern Flüchtlinge auf und ist dafür sogar weltberühmt geworden. Nun darf der Bürgermeister nicht weitermachen. Ein Skandal?

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          Bei schönem Wetter sieht man vom Dorfplatz in Riace Superiore in der Ferne das Meer funkeln. Aber der Himmel ist wolkenverhangen, es hat viel geregnet an den vergangenen Tagen. Vor dem klassizistischen Bürgermeisteramt wehen ordnungsgemäß die italienische Flagge und die Europafahne. Und dann steht da noch ein Schild mit knallbunter Aufschrift: „Willkommen“ in neun Sprachen. Die weißen Buchstaben des Ortsnamens Riace prangen auf einem Kreis in den Farben des Regenbogens. Außerdem informiert das Schild über die in Riace „vertretenen Nationalitäten“. Es sind zwanzig Staaten nebst deren Flaggen aufgelistet, davon allein 14 afrikanische, vom Maghreb über die Sahelzone bis zum Horn, außerdem Afghanistan und Bangladesch, Kurdistan und Pakistan, die Türkei und Albanien. Dass „Nationalitäten“ zumal in Afrika gerade nicht mit Staaten übereinstimmen, tut der berühmten Willkommenskultur von Riace keinen Abbruch.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Riace ist eine Gemeinde in Kalabrien, fast an der spitzesten Spitze des italienischen Stiefels gelegen. Nach offiziellen Angaben hat Riace heute 2300 Einwohner. Die meisten von ihnen leben in Riace Marina, einem typischen Badeort an der Küste, der sich nach der wummernden Sommersaison dieser Tage zum langen Winterschlaf hinlegt. In der ursprünglichen Siedlung Riace, rund sieben Kilometer von der Küste entfernt im bergigen Hinterland gelegen, leben vielleicht noch 350 Leute. Und anders als drunten am Meer füllen sich die leerstehenden Häuser auch im Sommer nicht mehr. Die jungen Leute sind fortgezogen, erst nach Amerika und später auch nach Deutschland, auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. Zurück blieben die Alten, die selbst an den höchsten katholischen Feiertagen die großen Kirchen nicht mehr füllen.

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