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Neuer Anlauf : Simone Lange will SPD-Chefin werden

  • Aktualisiert am

Will den SPD-Vorsitz übernehmen: Simone Lange Bild: dpa

Flensburgs Oberbürgermeisterin kandidiert abermals für den Vorsitz – dieses Mal im Duo mit Alexander Ahrens. Sie will die SPD nach links rücken.

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          Bereits im vorigen Jahr sorgte Simone Lange mit ihrer Bewerbung für den Bundesvorsitz der krisengeschüttelten SPD für Aufsehen. Nach dem Rückzug von Parteichefin Andrea Nahles hat die Flensburger Oberbürgermeisterin nun abermals ihre Bewerbung angemeldet. Diesmal will die 42 Jahre alte Politikerin in einem Kommunal-Duo mit Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens die Leitung der Partei übernehmen.

          In einem gemeinsamen Bewerbungsvideo mit Ahrens wies Lange darauf hin, dass die SPD in den vergangenen 15 Jahren viele Mitglieder verloren habe. „Ich möchte gerne diese Menschen um Verzeihung bitten und zurückgewinnen“, kündigte sie an. Ihr Ziel sei es, Politik für alle in diesem Land zu machen „und nicht nur für eine bestimmte Gruppe“.

          Bereits seit ihrer vergeblichen Kandidatur gegen Nahles im Frühjahr 2018 kämpft Lange für eine grundsätzliche inhaltliche und organisatorische Neuausrichtung der SPD hin zu einer Partei, die weiter links steht. Zudem fordert sie  einen deutlich größerem Einfluss der Basis. Dazu gehören für sie die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen und einer „Gemeinwohlökonomie“ als Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft.

          „Es geht darum, das Land zu verändern“, sagte Lange weiter in dem Bewerbungsvideo. Im NDR hob sie zudem hervor, sie wolle auch das Thema Verteilungspolitik in den Blick nehmen, „ebenso eine menschenzentrierte Klimapolitik, Umverteilung und soziale Sicherheit“. Als Stärke ihrer Bewerbung sehen Lange und der 53 Jahre alte Ahrens aber vor allem ihre Verankerung in der Kommunalpolitik und dem damit verbundenen „direkten Kontakt mit den Menschen“.

          Lange will mehr Mitbestimmung der Basis

          Innerparteilich will Lange Schluss machen mit einer von oben verordneten „Basta-Politik“. Mitbestimmungsrechte der Mitglieder will sie stärken. Zu tun hätte sie genug: In bundesweiten Umfragen liegt die SPD inzwischen nur noch bei zwölf bis 13 Prozent.

          Geboren wurde Lange in Rudolstadt in Thüringen, lebt aber schon lange in Schleswig-Holstein. Die verheiratete Mutter zweier Kinder zog 1995 für ein Verwaltungsstudium im Fachbereich Polizei in den hohen Norden. Sie arbeitete 13 Jahre lang als Kriminalpolizistin in Flensburg und engagierte sich bei der SPD auf regionaler Ebene.

          2012 ging sie für ihre Partei als Abgeordnete in den Kieler Landtag, war dort polizeipolitische Sprecherin der Fraktion. 2016 gewann sie die Direktwahl für das Amt der Oberbürgermeisterin von Flensburg als Kandidatin von SPD, CDU und Grünen mit absoluter Mehrheit.

          Auf dem SPD-Parteitag im April 2018 trat Lange gegen Nahles als Bewerberin um den Parteivorsitz an. Sie scheiterte zwar, erreichte aber mit knapp 28 Prozent einen Achtungserfolg, während Nahles mit 66 Prozent nur ein mageres Ergebnis einfuhr. Lange verband ihre Bewerbung damals unter anderem mit scharfer Kritik an der Agenda 2010 des ehemaligen SPD-Kanzlers Gerhard Schröder und den Hartz IV-Gesetzen. Zudem kämpfte sie damals wie heute gegen die große Koalition im Bund.

          Im vergangenen Herbst beteiligte Lange sich an der Gründung der von der Linken-Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht initiierten Sammlungsbewegung „Aufstehen“. Außerdem gehörte sie damals auch zu den Unterzeichnern einer Erklärung linker SPD-Politiker, die den Rücktritt der Parteiführung sowie einen sofortigen Sonderparteitag über einen Ausstieg aus der Koalition mit der Union forderten. Nun setzt sie an zum zweiten Anlauf an, um an der Spitze die Geschicke der SPD selbst in die Hand zu nehmen.

          Zuvor gab es vor allem zwei Bewerberduos für den SPD-Vorsitz, Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann sowie die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer. Lauterbach und Scheer fehlt allerdings noch die nötige Mindestunterstützung aus der Partei.

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