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Fleisch und Identitätspolitik : Muss das Nackensteak gecancelt werden?

Ran an den Speck: Merkel, Bush und Grillgut im Juli 2006 Bild: Picture Alliance

Schon in alltäglichen Sprachbildern kommt es zum Ausdruck – Fleisch ist ein besonderer Stoff. Für die Politik, die dem Volk „aufs Maul schaut“, gilt das umso mehr.

          7 Min.

          Wenn Politiker merken, wie dünn die Soße ist, die sie dem Volk vorsetzen, dann muss etwas anderes auf den Teller: Fleisch. Nichts ruft so sicher und so kalkulierbar Reaktionen hervor wie ein beherztes Bekenntnis zum Schweinsbraten oder die Forderung, dem Klima zuliebe doch bitte den Fleischkonsum einzuschränken. Die Rhetorik des Fleisches wird sofort verstanden, im Zweifel sogar ohne Worte. Es reicht ein Foto von der artgerechten Verspeisung eines Pfälzer Saumagens, dem bevorzugten Kommunikationsmittel des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl – und das Publikum weiß, von welchem Fleisch der Politiker Fleisch ist.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus hat den Zusammenhang von Fleischkonsum und Politik auf eine nachgerade klassische Formel gebracht: „Ich schäme mich nicht dafür, dass ich die Leute vertrete, die mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sind, Nackensteak essen und fleißig sind. Diese Leute sind das Rückgrat unserer Gesellschaft.“ Aufschlussreich daran ist der Anklang an den Apostel Paulus und seinen Satz „Ich schäme mich des Evangeliums nicht“. „Scham“ verweist darauf, dass sich der Sprecher in einer kulturellen Defensive wähnt.

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