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Finanzskandal in Eichstätt : Der Herr hat’s gegeben, aber wer hat’s genommen?

Eigene Welt mit eigenen Regeln: die Mariensäule in Eichstätt. Bild: Pahnke, Christina

Im Bistum Eichstätt wurde viele Jahre sehr locker mit Finanzen und Vorschriften umgegangen. Nun liegt ein umfassender Bericht vor. Aber nicht alles ist aufgeklärt.

          7 Min.

          Walter Mixa hatte es eilig. Mit Wirkung zum 1. Januar 2005 errichtete der Bischof von Eichstätt am 23. Dezember 2004 per Dekret einen Diözesanvermögensverwaltungsrat. Ausdruck eines Wandels der Rechtskultur zum Guten hin war dieser Akt indes nicht. Die einschlägige Vorschrift im kirchlichen Gesetzbuch, das von Papst Johannes Paul II. 1983 in Kraft gesetzt worden war, hatte man zwei Jahrzehnte lang großzügig ignoriert. Nun war der staatlicherseits in Bayern vorgeschriebene Diözesan-Steuerausschuss auf die Idee gekommen, mangels eines Vermögensverwaltungsrates zusätzlich zu dem Verwaltungs- auch den Vermögenshaushalt kontrollieren zu können. Das sollte nicht sein. Also wurde dem Kirchenrecht pro forma Genüge getan, um es gleich wieder zu brechen. Das neue Gremium wurde nicht mit mindestens drei externen, weisungsunabhängigen Fachleuten besetzt, sondern bis auf einen leitenden Mitarbeiter des Ordinariates ausschließlich mit Domkapitularen. An deren Spitze: der Finanzdirektor, der sich auf diese Weise gleich mehrfach selbst beaufsichtigte.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Ein Jahr später war Mixa weiterhin Militärbischof, aber nicht mehr Ordinarius von Eichstätt. Um seine Ambitionen auf die Nachfolge des Münchner Erzbischofs Friedrich Wetter zu durchkreuzen, hatte man Papst Benedikt XVI. auf diplomatischen Wegen dafür gewinnen können, den immer wieder dem Alkohol verfallenen Mann nach Augsburg zu transferieren. Ende 2006 wurde in Eichstätt ein Geistlicher zum neuen Bischof geweiht, der bewusst nicht hatte Diözesanpriester werden wollen: Gregor Maria Hanke, seit 13 Jahren Abt von Plankstetten. In Verwaltungsangelegenheiten kannte Hanke sich ein wenig aus, hatte er doch aus dem Wirtschaftsbetrieb des altehrwürdigen Benediktinerklosters ein ökologisches Vorzeigeunternehmen gemacht. Aber mit Bistumsfinanzen?

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