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„Fight Nights“ in Neubrandenburg : Politische Tiefschläge

  • -Aktualisiert am

Anschuldigung per E-Mail: Die Landtagspräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Sylvia Bretschneider (SPD) Bild: ddp

Haben CDU-Politiker Kontakte zu „Fight Night“-Veranstaltern in Neubrandenburg? Dort sollen sich auch Rechtsextreme treffen.

          2 Min.

          Seit 2006 finden in der Stadthalle im mecklenburgischen Neubrandenburg in jedem Frühjahr sogenannte Fight Nights statt, während denen Kampfsportler in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten. Bis zu 1500 Zuschauer besuchen die Veranstaltung.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Seit einigen Jahren gelten die „Fight Nights“ auch als ein Ort, an dem sich Rechtsextreme treffen. Zwei der Kampfsportler, die im vergangenen Jahr auf dem Plakat der Veranstaltung zu sehen waren, sind als Rechtsextreme bekannt. Einer von ihnen trägt offen die Tätowierung einer rechtsextremen Kameradschaft. Auch NPD-Funktionäre sollen am Rande der Kämpfe schon gesehen worden sein.

          Aber weder die Polizei noch die Stadtverwaltung Neubrandenburg hatten bislang eine Handhabe, der Veranstaltung Auflagen zu machen oder sie gar zu verbieten, obschon sie als gewaltverherrlichend gilt. Der Veranstalter hat sich von jedweder rechtsextremen Tendenz distanziert. Die Sponsoren sind seriöse Unternehmen. Die Kameradschaft, auf die sich die Tätowierung bezieht, ist nicht verboten.

          Ins Braune getroffen?

          In diesem Jahr gab es nach der „Fight-Night“ ein ganz anderes Nachspiel. Die Landtagspräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Sylvia Bretschneider (SPD), verschickte eine E-Mail unter anderem an Innenminister Lorenz Caffier (CDU), in der sie darauf hinwies, dass die CDU-Politiker Frank Benischke und Hagen Schäfer auf der Internetplattform Facebook mit den Veranstaltern der Kämpfe „befreundet“ seien. Frau Bretschneider hat ihren Wahlkreis in Neubrandenburg. Benischke ist der CDU-Ortsvorsitzende in der Stadt. Er war früher Offizier der DDR-Armee und also auch SED-Mitglied. Seine Kandidatur hatte selbst den CDU-Landesverband verunsichert. Schäfer war früher stellvertretender Kreisvorsitzender, schied aber 2009 aus der Kommunalpolitik aus.

          Beide Männer wehren sich nun gegen die Unterstellung, sie hätten etwas mit Rechtsextremisten zu tun. Schäfer, von Beruf Rechtsanwalt, kündigte eine Strafanzeige wegen Verleumdung, Beleidigung und übler Nachrede an. Frau Bretschneider entgegnete, sie habe weder behauptet, dass der Veranstalter Rechtsextremist sei noch dass Benischke und Schäfer eine Nähe zum Rechtsextremismus hätten. Nachdem Schäfer ihr einen Brief geschrieben hatte, schrieb Frau Bretschneider aber, sie habe offenbar nicht nur ins Schwarze getroffen, sondern sogar ins Braune. Schäfers Brief war freilich auch nicht ohne Boshaftigkeit: „Da Ihre langweilige und unlogische Propaganda zum ,Kampf gegen rechts’ im besseren Fall freiheitliche Menschen mit Esprit amüsiert und tatsächlich immer weniger Menschen in Ihrem Wahlkreis interessiert, brauchen Sie ein reales Ergebnis, um Ihre politische Existenz zu rechtfertigen.“ Mal sehen, was die nächste „Fight Night“ bringt.

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