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Feuertod eines Asylbewerbers : Es war nie Mord

Im Fall des Todes des Asylbewerbers Jalloh kam vieles zusammen. Es bleibt in jedem Fall richtig, im Polizeigewahrsam genau hinzuschauen.

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          Es war nie Mord – auch wenn mancher Vorwurf so lautete. Genau war nicht zu ermitteln, wie der Asylbewerber Oury Jalloh im Jahr 2005 in Dessauer Polizeihaft zu Tode kam. Aber die Verurteilung des damaligen Dienstgruppenleiters ist nun vom Bundesgerichtshof bestätigt worden. Der Polizeibeamte hat demnach fahrlässig den Tod des zu dessen Schutz gefesselten, stark alkoholisierten Jalloh, der sich offenbar selbst anzündete, mit verursacht, weil er den Inhaftierten nicht ausreichend überwachen ließ.

          Sicher ist zudem, dass die Justiz nichts unversucht ließ, um den schlimmen Fall aufzuklären: Zunächst war der Angeklagte nach 58 Verhandlungstagen freigesprochen worden; der Bundesgerichtshof sah das jedoch anders. Daraufhin erfolgte nach einer 67 Tage dauernden Hauptverhandlung die - jetzt bestätigte - Verurteilung des Beamten wegen fahrlässiger Tötung.

          Sicher hat am Verlauf dieses langen Verfahren auch die Unterstützer-Kampagne zugunsten des Opfers ihren Anteil; sie brachte Gutachten bei und veranlasste die Obduktion. Hier kam gewiss vieles zusammen, der Asylbewerber wurde ja nicht willkürlich festgehalten. Aber es bleibt richtig, im Polizeigewahrsam buchstäblich genau hinzuschauen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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