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Festakt zum 100. Geburtstag : Zwei Bundespräsidenten ehren Willy Brandt

Gleich zwei Bundespräsidenten ehren Willy Brandt: Österreichs Heinz Fischer und der deutsche Joachim Gauck Bild: dpa

„Ein Glück für Deutschland und für Europa“: Der österreichische Bundespräsident Fischer erinnerte in Lübeck mit großen Worten an Willy Brandt. Sein Amtskollege Gauck nannte den früheren Kanzler einen „Jahrhundertpolitiker“.

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          Das war selbst für das Größe gewohnte Lübeck ein ganz besonderes Ereignis. Gleich zwei Bundespräsidenten saßen am Mittwochabend in der Musik- und Kongresshalle der Stadt nebeneinander, um Willy Brandt zu ehren – der deutsche Joachim Gauck und der österreichische Heinz Fischer. Am 18. Dezember liegt es genau ein Jahrhundert zurück, dass Brandt als Herbert Ernst Karl Frahm, wie er ja eigentlich hieß, in der Lübecker Meierstraße 16 geboren wurde. Sein Abitur machte er 1932 an der renommiertesten Lübecker Schule, dem Johanneum. Deshalb auch musizierten das Streichorchester der Schule und die Bigband bei dem Festakt.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Gauck dachte bei seiner Rede, sich halb zu den Schülern wendend, laut darüber nach, ob diese überhaupt noch ermessen könnten, weshalb Brandt als „Jahrhundertpolitiker“ gilt – seinen Freunden wie auch seinen Kritikern. Gauck sagte, Brandt habe schon Anfang der siebziger Jahre vom Stolz auf Deutschland gesprochen, von der weltpolitischen Verantwortung seines Landes und vom „Zusammenleben der Verschiedenen“. Das seien noch immer aktuelle Themen der Politik, setzte der Bundespräsident hinzu. Brandt habe nach der Maxime gehandelt, die beste Lösung zu suchen und nicht gleich bei der nächstbesten stehenzubleiben. Wer wollte, konnte das als Wort an das in Aussicht stehende neue Regierungsbündnis in Berlin verstehen.“

          Staatsmänner, Weggefährten und Familienmitglieder gedachten Willy Brandt

          „Der Höhepunkt meines politischen Lebens“

          Den 1500 Gästen des Lübecker Festaktes mag es sich nicht so ganz erschlossen haben, weshalb ausgerechnet ein Österreicher die Festrede hielt. Begründet wurde das mit Brandts Arbeit in der Sozialistischen Internationale, seiner „schwierigen Freundschaft“ zu Bruno Kreisky, die schon im norwegischen Exil begonnen hatte, und der Tatsache, dass Fischer auch als Zeitzeuge auftrat: Er hatte einst in der Internationale für Brandt gearbeitet. Brandt sei „ein Glück für Deutschland und ein Glück für Europa“ gewesen, sagte Fischer. Seine große Stärke sei die Glaubwürdigkeit gewesen.

          Da Brandt auch in Norwegen noch immer einen großen Ruf genießt, sollte eigentlich der frühere norwegische Außen- und Verteidigungsminister Thorvald Stoltenberg sprechen, wurde aber krank, so dass ihn der ehemalige Außenminister Jonas Gahr Støre vertrat, um in bestem Deutsch die Grüße der Norwegisch-Deutschen Willy-Brandt-Stiftung auszurichten. Brandt war von 1933 bis 1940 im norwegischen Exil.

          Eine Geste, die Geschichte schrieb: Das Foto von Willy Brandts Kniefall in Warschau ging im Dezember 1970 um die Welt. Bilderstrecke

          Für die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung sprach deren Kuratoriumsvorsitzender Wolfgang Thierse. Er erzählte, dass er Brandt seit den 1960er Jahren verehrt habe, ihm dann während des Untergangs der DDR begegnet sei und von ihm umarmt worden sei, als sich die ostdeutschen Sozialdemokraten mit der SPD vereinigten. „Ich sah die Tränen in seinen Augen. Für mich war es der Höhepunkt meines politischen Lebens.“

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