https://www.faz.net/-gpf-73bky

Festakt Deutsche Einheit : „Wir sind deutsche Europäer“

  • Aktualisiert am

Festakt zur Deutschen Einheit mit bayerischer Tradition: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Lammert (CDU), Bundespräsident Gauck, Bayerns Ministerpräsident Seehofer (CSU) und Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts (v.l.n.r.) Bild: dpa

Beim Festakt in München würdigt Bundestagspräsident Lammert, dass ohne die Überwindung der Spaltung Europas die deutsche Einheit nicht möglich gewesen wäre. Eine Rückkehr zur einstigen Rivalität von Nationalstaaten verspiele die Zukunft.

          2 Min.

          Als Botschaft für Europa hat Bundestagspräsident Norbert Lammert das Zusammenwachsen Deutschlands nach den Jahrzehnten der Teilung gewürdigt. Es habe sich gezeigt, zu welcher Solidarität die Deutschen fähig seien, sagte Lammert auf dem Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in München. Ohne die Überwindung der Spaltung Europas wäre die deutsche Einheit nicht möglich gewesen; die Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands sei zugleich die Voraussetzung für das Zusammenwachsen Europas gewesen. Deutschland und Europa seien zwei Betrachtungen des gleichen Sachverhalts: „Wir sind deutsche Europäer“, sagte der Bundestagspräsident.

          Der Festakt im Münchner Nationaltheater, an dem die Spitzen der Verfassungsorgane teilnahmen, bildete der Höhepunkt der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Bayern war der Gastgeber, da das Land bis zum Ende dieses Monats den Vorsitz im Bundesrat führt. Ministerpräsident Horst Seehofer hob hervor, dass Deutschland ein freies und glückliches Land geworden sei, auch durch den großen Mut, den die Bürgerrechtsbewegung in der DDR bewiesen habe. Am 3. Oktober könne dankbar und fröhlich gefeiert werden. Auf dem traditionellen Bürgerfest in der Münchner Innenstadt präsentierten sich bei bestem Wetter in Pavillons und Zelten die Bundesinstitutionen, die Länder, Vereine und Verbände.

          Bundestagspräsident Bilderstrecke

          Bundestagspräsident Lammert erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Deutschland mit seinen Regionen gelebte Vielfalt sei; zusammen seien sie stärker als jede für sich allein – und diese Einsicht gelte auch für Europa. Er warnte vor Rückschritten in der europäischen Integration. Eine Rückkehr zur einstigen Rivalität von Nationalstaaten, deren Ehrgeiz größer gewesen sei als ihre Möglichkeiten, verspiele die Zukunft. Nötig sei ein Europa, dessen Möglichkeiten über den Ehrgeiz seiner Mitgliedstaaten hinaus reiche. Die europäische Währung sei ein wesentliches Mittel auf dem Weg zu einer politisch und ökonomischen Union; sie sei aber nicht der Kern Europas.

          Lammert trat dafür ein, dass in der EU die Einhaltung gesetzlicher und vertraglicher Verpflichtung wieder Vorrang vor wirtschaftlichen Gesichtspunkten habe müsse; hätten sich die Mitgliedstaaten immer an das gemeinsame Recht gehalten, gäbe es die gegenwärtige europäische Krise nicht.

          Zuvor hatten bereits die beiden großen Kirchen bei einem ökumenischen Festgottesdienst mehr Einsatz für Europa gefordert. Der katholische Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, mahnte: „Wir sind nicht alleine als Deutsche unterwegs.“ Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte, die gebotene Dankbarkeit der Deutschen für die geschenkte Freiheit seit der Wiedervereinigung sei nicht vereinbar mit einer Überheblichkeit anderen gegenüber.

          Weitere Themen

          Aus eigener Stärke

          FAZ Plus Artikel: Gastbeitrag Wolfgang Schäuble : Aus eigener Stärke

          Krisenhafte Entwicklungen hat es in Europa schon lange gegeben. Jetzt sollten wir die Corona-Pandemie dazu nutzen, uns zu fragen: Was haben wir in der Vergangenheit übertrieben? Wo sollten wir maßvoller werden? Und was können wir für die Zukunft besser machen? Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Segregierte Schulen : Das weiße Amerika bleibt unter sich

          Heute gibt es in Amerika mehr Schulen mit fast nur weißen oder fast keinen weißen Schülern als vor 30 Jahren. Das liegt auch an den Entscheidungen weißer Eltern – auch solchen, die seit Wochen „Black Lives Matter“ rufen.
          Ein Coronatest in Gütersloh Ende Juni

          Nach dem Gütersloh-Beschluss : Leitplanken für Lockdowns

          Darf ein Land keine Ausgangssperren mehr verhängen, wenn ein Corona-Hotspot auftaucht? Doch, sagen die Richter in ihrem Gütersloh-Beschluss. Es darf nur nicht Ungleiches gleich behandeln.
          Wie viele Klamotten, die wir besitzen, tragen wir eigentlich?

          Nachhaltiges Design : Wie kann Mode die Welt verändern?

          Nina Lorenzen, Vreni Jäckle und Jana Braumüller beschäftigen sich seit Jahren mit nachhaltiger Mode. Nun haben sie ein Buch darüber herausgebracht, das zeigen soll: Mit Mode kann man die Welt verändern.
          Bela B Felsenheimer von Die Ärzte

          Künstler gegen Viagogo : Und das soll Demokratisierung sein?

          Wer im Internet Konzertkarten kauft, landet oft bei der Ticketbörse Viagogo. Bands wie Rammstein und Die Ärzte wehren sich gegen den Zweitmarkt für Eintrittskarten, der wächst – und Besuchern überteuerte oder ungültige Karten andreht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.