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Festakt Deutsche Einheit : „Wir sind deutsche Europäer“

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Festakt zur Deutschen Einheit mit bayerischer Tradition: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Lammert (CDU), Bundespräsident Gauck, Bayerns Ministerpräsident Seehofer (CSU) und Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts (v.l.n.r.) Bild: dpa

Beim Festakt in München würdigt Bundestagspräsident Lammert, dass ohne die Überwindung der Spaltung Europas die deutsche Einheit nicht möglich gewesen wäre. Eine Rückkehr zur einstigen Rivalität von Nationalstaaten verspiele die Zukunft.

          Als Botschaft für Europa hat Bundestagspräsident Norbert Lammert das Zusammenwachsen Deutschlands nach den Jahrzehnten der Teilung gewürdigt. Es habe sich gezeigt, zu welcher Solidarität die Deutschen fähig seien, sagte Lammert auf dem Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in München. Ohne die Überwindung der Spaltung Europas wäre die deutsche Einheit nicht möglich gewesen; die Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands sei zugleich die Voraussetzung für das Zusammenwachsen Europas gewesen. Deutschland und Europa seien zwei Betrachtungen des gleichen Sachverhalts: „Wir sind deutsche Europäer“, sagte der Bundestagspräsident.

          Der Festakt im Münchner Nationaltheater, an dem die Spitzen der Verfassungsorgane teilnahmen, bildete der Höhepunkt der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Bayern war der Gastgeber, da das Land bis zum Ende dieses Monats den Vorsitz im Bundesrat führt. Ministerpräsident Horst Seehofer hob hervor, dass Deutschland ein freies und glückliches Land geworden sei, auch durch den großen Mut, den die Bürgerrechtsbewegung in der DDR bewiesen habe. Am 3. Oktober könne dankbar und fröhlich gefeiert werden. Auf dem traditionellen Bürgerfest in der Münchner Innenstadt präsentierten sich bei bestem Wetter in Pavillons und Zelten die Bundesinstitutionen, die Länder, Vereine und Verbände.

          Bundestagspräsident Bilderstrecke

          Bundestagspräsident Lammert erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Deutschland mit seinen Regionen gelebte Vielfalt sei; zusammen seien sie stärker als jede für sich allein – und diese Einsicht gelte auch für Europa. Er warnte vor Rückschritten in der europäischen Integration. Eine Rückkehr zur einstigen Rivalität von Nationalstaaten, deren Ehrgeiz größer gewesen sei als ihre Möglichkeiten, verspiele die Zukunft. Nötig sei ein Europa, dessen Möglichkeiten über den Ehrgeiz seiner Mitgliedstaaten hinaus reiche. Die europäische Währung sei ein wesentliches Mittel auf dem Weg zu einer politisch und ökonomischen Union; sie sei aber nicht der Kern Europas.

          Lammert trat dafür ein, dass in der EU die Einhaltung gesetzlicher und vertraglicher Verpflichtung wieder Vorrang vor wirtschaftlichen Gesichtspunkten habe müsse; hätten sich die Mitgliedstaaten immer an das gemeinsame Recht gehalten, gäbe es die gegenwärtige europäische Krise nicht.

          Zuvor hatten bereits die beiden großen Kirchen bei einem ökumenischen Festgottesdienst mehr Einsatz für Europa gefordert. Der katholische Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, mahnte: „Wir sind nicht alleine als Deutsche unterwegs.“ Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte, die gebotene Dankbarkeit der Deutschen für die geschenkte Freiheit seit der Wiedervereinigung sei nicht vereinbar mit einer Überheblichkeit anderen gegenüber.

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