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Fernsehduell vor Bayernwahl : Punktsieg für den Amtsinhaber

  • -Aktualisiert am

Der Herausforderer greift an, der Amtsinhaber pariert: Markus Söder und Ludwig Hartmann im Fernsehduell Bild: dpa

Beim Aufeinandertreffen von Bayerns Ministerpräsident Söder und seinem schärfsten Herausforderer Ludwig Hartmann ging es munter aber auch fair zu. Der Grüne konnte sich gut präsentieren und Söder bewies Höflichkeit.

          Für Fernsehduelle zwischen zwei Bewerbern um ein politisches Amt wird hin und wieder die Analogie zum Boxsport bemüht. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder von der CSU und der Spitzenkandidat der Grünen, Ludwig Hartmann, lieferten sich am Mittwochabend ein Gefecht, bei dem der Vergleich mit dem Boxen mal tatsächlich weiterführt. Hartmann tat, was ein Herausforderer tun muss: Er schlug sehr viel. Das heißt: Er brachte in der gleichen Redezeit geschätzt doppelt so viele Wörter unter wie Söder. Der verhielt sich wie ein Titelverteidiger. Er stand hinter einer stabilen Deckung, schlug seltener, setzte aber mehr Wirkungstreffer.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Hartmanns Performance hätte man so in etwa erwarten können: Er redet generell schnell, atemlos, beseelt von der Sache. Öfter zieht sich dabei die Haut an seiner Nasenwurzel zu einem Faltenknäuel zusammen, das erweckt dann manchmal den Eindruck des Eiferers, der im persönlichen Umgang allerdings nicht bestätigt wird. Söders Auftritt war überraschender. Er ist zwar schon lange im Geschäft, den Titel Ministerpräsident trägt er aber erst seit einem halben Jahr. Und die für die CSU desaströsen 35 Prozent in den jüngsten Umfragen hätten entweder zu Resignation oder Dünnhäutigkeit führen können. Doch beides war Söder in der Sendung des Bayerischen Fernsehens nicht anzumerken.

          Er scheint den angeblichen Rat seiner Frau, von dem er an einer Stelle sprach, nämlich höflich zu bleiben, beherzigt zu haben. Er verzichtete also auf die Grimassen, mit denen er sonst immer mal wieder mutmaßliche Unzulänglichkeiten von Gegnern und Parteifreunden kommentiert, gern auch, wenn sie neben ihm stehen. Es war für seine Wirkung im Fernsehen sicher auch gut, dass vor ihm auf dem Stehpult kein Handy lag, auf dem er hätte herumtippen können. Als wollte er seine zuletzt vielfach wiederholte Devise in der Flüchtlingspolitik, „Humanität und Ordnung“, auch im Fernsehduell zur Geltung bringen, ließ Söder Hartmann in der Regel ausreden, er hob die Bedeutung des einander Zuhörens hervor und relativierte seine Angriffe auf Hartmanns Partei an drei Stellen mit dem Hinweis, er meine natürlich „nicht Sie persönlich“ – einmal lobte er die Grünen sogar.

          Der Moderator, BR-Chefredakteur Christian Nitsche, unterteilte das Duell in thematische Runden. Runde 1: bezahlbares Wohnen. Das ist ein schwieriges Thema für die CSU, schon allein deswegen, weil sie es vor ein paar Jahren zur Rettung der Bayerischen Landesbank zuließ oder zulassen musste (darüber gehen die Meinungen auseinander), dass 33.000 staatliche Wohnungen verkauft wurden. Man merkte, dass Hartmann hier fit ist, jüngst stellte er zum Thema Wohnen ein grünes Konzept im Landtag vor. Zuvor schon hatte er sich durch seine Kampagne gegen „Flächenfraß“ in ganz Bayern bekannt gemacht oder jedenfalls bekannter als zuvor. Hartmann konnte klar machen, warum sich neue Wohnungen und Schutz von Grünflächen nicht widersprechen müssen.

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