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Feige zu Abendmahl-Streit : „Das Kirchenbild mancher Kritiker erinnert mich an die DDR“

Nordrhein-Westfalen, Münster: Eine Frau hält eine Hostie beim Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt. Bild: dpa

In Deutschland ist der Anteil der Ehepaare mit verschiedenen Konfessionen groß. Davor könne die Kirche nicht die Augen verschließen, kritisiert der Magdeburger Bischof Gerhard Feige – und verteidigt im Interview die Öffnung der Kommunion.

          Bischof Feige, die Deutsche Bischofskonferenz hat Ende Februar mit Dreiviertelmehrheit eine „Orientierungshilfe“ über die Teilnahme nichtkatholischer Ehepartner am Abendmahl gutgeheißen. Papst Franziskus hat diesen Text vor kurzem als „nicht veröffentlichungsreif“ bezeichnet. Was ist da passiert?

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Das würde ich auch gerne wissen. Als ich zusammen mit anderen Vertretern der Bischofskonferenz am 3. Mai in Rom war, haben Mitglieder der Kurie einige Anfragen an unseren Text vorgetragen. Am Ende des Gesprächs hieß es in einer mit beiden Seiten abgestimmten Erklärung, dass wir diese Fragen gemeinschaftlich auf deutscher Ebene klären sollten, und zwar einmütig. Was nicht dasselbe ist wie einstimmig. Damit war auch entschieden, dass Rom dieses Thema nicht an sich ziehen würde, wie es sieben Ortsbischöfe aus Deutschland unter Führung des Kölner Erzbischofs Kardinal Woelki gewünscht hatten. Die Antwort war klar: Wir sollten und könnten das unter uns regeln.

          Worin bestanden diese Anfragen?

          Es ging in die Richtung, dass das Votum der Mehrheit Fragen des Glaubens berühre, in anderen Ortskirchen nicht gutgeheißen werde und das Verhältnis zu anderen Kirchen belasten könnte, etwa zu den orthodoxen. Aber es gab keine Auflagen.

          Im Licht der päpstlichen Intervention erscheint es so, als seien die jetzt öffentlich formulierten Anfragen schon während der Erarbeitung der „Orientierungshilfe“ nicht ausreichend bedacht worden. Soll das heißen, die deutschen Bischöfe hätten schlampig gearbeitet?

          Wir haben über alle diese Aspekte intensiv diskutiert und mehrere theologische und kirchenrechtliche Gutachten eingeholt. Danach war für die große Mehrheit der Bischöfe klar, dass wir uns innerhalb dessen bewegen, was ekklesiologisch und kirchenrechtlich möglich ist. Natürlich geht es in dieser seelsorgerlichen Orientierungshilfe um Fragen des Glaubens. Aber wir verfälschen ihn nicht, sondern beziehen uns nur auf das, was bereits lehramtlich formuliert ist.

          Der katholische Bischof des Bistums Magdeburg, Gerhard Feige

          Laut dem Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre treibt den Papst jetzt die Sorge um, dass ein nationaler Alleingang negative Auswirkungen auf die Weltkirche und die Ökumene haben könnten. Woher dieser Sinneswandel?

          Das wüsste ich auch gerne. Ob und wie stark andere Bischofskonferenzen Kritik geäußert haben, weiß derzeit nur Rom alleine. Vielleicht handelt es sich ja auch um eine Art Stellvertreterkrieg. Man prügelt auf die deutschen Bischöfe ein und meint den Papst, der sich erst einmal schützen will. Dabei gibt es mehrere, vor allem westliche Länder, in denen sich vergleichbare Fragen stellen. Aber kaum anderswo ist der Anteil der konfessionsverschiedenen Ehepaare mit etwa 40 Prozent so groß wie in Deutschland. Sollen wir davor etwa die Augen verschließen?

          Die ersten Bitten, der Vatikan möge in Sachen konfessionsverschiedener Ehepaare zu einer Klärung auf weltkirchlicher Ebene beitragen, gehen auf die Zeit der Würzburger Synode (1972–1975) zurück. Seither ist nichts geschehen. Jetzt wird das Gespenst eines nationalen Alleingangs der Deutschen beschworen. Wie passt das zusammen?

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