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Feige zu Abendmahl-Streit : „Das Kirchenbild mancher Kritiker erinnert mich an die DDR“

Als sich der Papst vor zwei Jahren während eines Besuch in der evangelischen Gemeinde in Rom in diesem Sinn geäußert hat, hieß es zunächst, das sei eine typische spontane Äußerung. Im Rahmen des sogenannten Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischöfe in Rom habe ich den Papst eine Woche später direkt gefragt, wie seine Worte zu verstehen seien. Daraufhin hat er fast wortwörtlich das wiederholt, was er in der Christuskirche gesagt hatte: „Generell kann ich nichts verändern, aber sprecht mit dem Herrn, und geht weiter.“ Wir haben den Papst in unserer Handreichung nur bei seinem Wort genommen.

Eine Minderheit der deutschen Bischöfe glaubt, den Papst anders verstehen zu müssen oder zu sollen und führt gegen die „Orientierungshilfe“ das Argument ins Feld, Ausnahmen sollten zur Regel gemacht oder mindestens Regeln für Ausnahmen aufgestellt werden. Wer versteht den Papst besser?

In der Orientierungshilfe geht es nicht um Regeln und um Ausnahmen, sondern um Kriterien für eine Gewissensentscheidung Einzelner. Was daran falsch sein soll, erschließt sich mir nicht.

Wen wollen Sie denn von diesem Weg überzeugen, wenn schon fast ein Drittel der Ortsbischöfe in Deutschland nicht überzeugt ist?

Viele konfessionsverschiedene Ehepaare haben sich bereits enttäuscht von der katholischen Kirche abgewandt. Andere praktizieren die gemeinsame Kommunion schon lange, andere trauen sich nicht oder haben ein schlechtes Gewissen. Vor allem an sie und ihre Seelsorger richtet sich die „Orientierungshilfe“.

Adressat der einschlägigen Bestimmung des Kirchenrechts sind nicht konfessionsverschiedene Ehepaare, sondern alle Nichtkatholiken, die ein Sakrament empfangen möchten. Warum diese Engführung?

Wenn es jetzt von den Kritikern heißt, es brauchte Lösungen für alle Nichtkatholiken, nicht nur für konfessionsverschiedene Ehepartner, dann ist das in der Sache nicht falsch. Falsch ist nur, jetzt ein Maximum einzufordern und damit das Minimum zu verhindern, das jetzt schon möglich wäre. Außerdem sind konfessionsverschiedene Ehepaare nicht nur durch das Sakrament der Taufe miteinander verbunden, sondern auch durch das Sakrament der Ehe. Insofern liegt hier eine besondere Konstellation vor. Da steht irgendwann auch einmal die Frage der gemeinsamen Eucharistie an. Was zudem ein Argument war, sind die Kinder und das Schicksal der Ehe. Die unterschiedliche Konfession der Eltern kann in solchen Fällen nicht nur eine Bereicherung sein, sondern auch eine Belastung.

Auch die Kritiker der „Orientierungshilfe“ streiten nicht ab, dass nichtkatholische Christen längst zu Recht die Eucharistie empfangen und niemand an der Kommunionsbank zurückgewiesen darf. Worüber dann der ganze Streit?

Mich haben diese Äußerungen in ihrer Offenheit sehr überrascht und im Blick auf die Betroffenen auch erleichtert. Aber deswegen ist die „Orientierungshilfe“ nicht überflüssig. In Westdeutschland mögen evangelische Christen fast flächendeckend zur Kommunion gehen und die Pfarrer damit gut umgehen können. Im Osten ist das nach meiner Erfahrung nicht so verbreitet. Vielleicht sind wir hier ein wenig zurückgeblieben.

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