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Feige zu Abendmahl-Streit : „Das Kirchenbild mancher Kritiker erinnert mich an die DDR“

Die Weichen sind durch das II. Vatikanische Konzil gestellt worden, später auch durch das neue Kirchenrecht aus dem Jahr 1983. Danach kam es an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Konkretisierungen. So haben zum Beispiel die englische, die kanadische und die südafrikanische Bischofskonferenz kasuistisch entschieden, also festgelegt, an welchen Tagen oder bei welchem Anlass ein Nichtkatholik, so er denn möchte, die Eucharistie empfangen kann. Etwa an Weihnachten und Ostern oder bei der eigenen Trauung, einer Taufe in der eigenen Familie oder einer Totenmesse für einen nahen Angehörigen, sonst aber nicht. Dieses Rechtsdenken hat uns nicht überzeugt, und es ließe sich in Deutschland wohl auch nicht vermitteln.

Was haben die Bischöfe in Deutschland seinerzeit getan?

Wir haben uns von 2000 bis 2004 schon einmal mit der Materie beschäftigt. Wir sind aber zu keinem Ergebnis gekommen, sondern schließlich ausgebremst worden. Begründung: Rom werde bald klären, was unter „gravis necessitas“ zu verstehen ist. Diese Definition einer „schwerwiegenden Notlage“, wie sie das Kirchenrecht zur Voraussetzung des Kommunionempfangs von Nichtkatholiken macht, ist aber 14 Jahre nicht gekommen.

Wie muss man sich eine Konstellation ausmalen, in der eine nationale, in diesem Fall den deutschen Bedingungen angemessene Lösung die Weltkirche erschüttern soll?

Als andere Bischofskonferenzen ihre Regeln zum Kommunionempfang nichtkatholischer Ehepartner vorlegten, hat uns das nicht negativ berührt. Warum auch? Sie bewegten sich im Rahmen des ekklesiologisch und kirchenrechtlich Möglichen. Dass wir jetzt unsere Kompetenzen überschritten haben sollten, will sich mir nicht erschließen. Allerdings scheint es immer wieder ein probates Mittel zu sein, die „Weltkirchenkeule“ einzusetzen, wenn man Veränderungsbemühungen am Ort verhindern will.

Kardinal Reinhard Marx (r.) und sein Gegenspieler, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki
Kardinal Reinhard Marx (r.) und sein Gegenspieler, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki : Bild: dpa

Als weitere Voraussetzung für die Teilnahme von Nichtkatholiken am Abendmahl sieht das Kirchenrecht vor, dass sie eine eigene Kirche nicht aufsuchen können. Diese Fallgestaltung kann ja für evangelische Christen in Deutschland praktisch als ausgeschlossen gelten.

Diese Bestimmung aus dem Jahr 1983 ist in späteren Dokumenten nicht mehr aufgegriffen worden. Auch aus römischer Sicht ist die Zeit darüber hinweggegangen. Mehr noch: Papst Johannes Paul II. hat sich sogar in weiterführender Weise geäußert und von einer schwerwiegenden „geistlichen“ necessitas gesprochen. Diesen Begriff kann man unterschiedlich übersetzen, eben nicht nur als „Notlage“, sondern auch als „Bedürfnis“. All das hat uns ermutigt, die „Orientierungshilfe“ zu erarbeiten. Zu behaupten, wir hätten überstürzt gehandelt und etwas übers Knie gebrochen, ist absurd.

Was ist denn Ihre Lösung im Gegensatz zu einer einzelfallbezogenen Erlaubnis, die Eucharistie zu empfangen?

Wir behaupten nicht, dass jede konfessionsverschiedene Ehe als solche den Tatbestand eines „schwerwiegenden geistlichen Bedürfnisses“ erfüllt oder hervorbringt. Der Einzelne ist gefragt, wofür Papst Franziskus den Weg der geistlichen Entscheidungsfindung gewiesen hat.

Sind Sie sicher, dass Papst Franziskus so verstanden werden will?

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