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Feiertag in Berlin : Frauentag legt Bundesregierung lahm

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Rot-rot-grüne Koalition in Berlin: Michael Müller (SPD, M.), Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen Berlin) und Klaus Lederer (Die Linke) Bild: dpa

Im Januar entschied sich die rot-rot-grüne Koalition in Berlin, den 8. März zum Feiertag zu machen. An diesem Freitag arbeitet jetzt die Republik – ihre Hauptstadt steht still. Nicht der einzige Kritikpunkt.

          An diesem Freitag ist der Internationale Frauentag in Berlin erstmals gesetzlicher Feiertag. Als erstes Bundesland überhaupt hat die Hauptstadt diesen neuen arbeitsfreien Tag eingeführt. Damit hat auch die Bundesregierung mit ihren Ministerien und anderen Behörden quasi „geschlossen“, während der komplette Rest Deutschlands arbeitet. Das hat es so noch nie gegeben.

          Die rot-rot-grüne Koalition hatte den neuen Feiertag nach längeren Debatten erst im Januar beschlossen, weil im Vergleich zu anderen Bundesländern ein Nachholbedarf gesehen wurde. Bis dahin hatten die Berliner neun arbeitsfreie Feiertage und fanden sich damit am Ende des Länderrankings wieder. Zum Vergleich: In Bayern ruht die Arbeit an 13, in Baden-Württemberg an 12 Feiertagen.

          Allerdings entschied sich Berlin - zum Leidwesen von Opposition und Kirchenvertretern - gegen den Reformationstag am 31. Oktober, der bereits seit längerem in den anderen Ostländern und seit 2018 auch in den Nordländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen Feiertag ist. Vielmehr einigte sich Rot-Rot-Grün 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland auf den 8. März als „Frauenkampftag“ und sieht darin ein Signal weit über Berlin hinaus.

          „Wie kein anderes Datum steht der 8. März für den langen Weg hin zur Gleichstellung der Geschlechter“, erklärte Regierungschef Michael Müller (SPD) dazu. Für Politik und Gesellschaft gelte es, weiter für Gleichstellung und die Rechte der Frauen zu kämpfen. Hier sei viel erreicht worden, aber: „Es bleiben viele brennende Aufgaben.“

          Kritiker sprechen mit Blick auf die zu DDR-Zeiten zelebrierten Frauentagsfeiern von einem Feiertag mit „rein sozialistischer Tradition“: „Die Mehrheit der Bürger kann damit nichts anfangen“, meinte CDU-Generalsekretär Stefan Evers. Die Industrie- und Handelskammer rechnete vor, dass der zusätzliche arbeitsfreie Tag im größten Empfängerland des Finanzausgleichs 160 Millionen Euro koste - 0,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

          Vielen Berlinern dürften all diese Botschaften egal sein - auch die Tatsache, dass ihre Stadt mit dem Feier-Frauentag nun in einer Reihe mit Staaten wie Russland, Turkmenistan, Moldau, Kuba, China oder Afghanistan steht. Sie nehmen das verlängerte Wochenende einfach mit.

          Im Nachbarland Brandenburg hoffen Einkaufszentren und Ausflugsziele auf zusätzliche Kundschaft aus der Hauptstadt. Am Reformationstag - in Berlin weiter kein Feiertag - läuft es wieder umgekehrt. Dann gehen traditionell viele Brandenburger in Berlin shoppen.

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