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Nach Thüringen-Wahl : FDP verzeichnet zahlreiche Parteiaustritte

  • Aktualisiert am

FDP-Chef Christian Lindner Bild: dpa

Auch Aufnahmeanträge gibt es bei den Freien Demokraten. Die Umfragewerte der FDP sacken unterdessen ab – Linke und AfD können profitieren.

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          Nach dem Debakel um die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen sind einem Zeitungsbericht zufolge zahlreiche FDP-Mitglieder aus der Partei ausgetreten. Allein die Landesverbände in Bayern und Baden-Württemberg verbuchten in den zehn Tagen nach Kemmerichs Wahl insgesamt knapp hundert beendete Parteimitgliedschaften, wie eine Umfrage der „Augsburger Allgemeinen“ (Montagausgabe) in mehreren Bundesländern ergab. Es gab aber auch Aufnahmeanträge.

          Laut der Zeitung gab es in Bayern rund 50 Parteiaustritte. In Hessen waren es 40 Austritte – gleichzeitig bekam der Landesverband aber auch 19 Anträge für einen Parteieintritt. Die FDP in Hamburg, wo am kommenden Wochenenden gewählt wird, hatte demnach Austrittserklärungen von 25 Mitgliedern auf dem Tisch. Im selben Zeitraum gingen auch zehn neue Mitgliedseinträge ein.

          Kemmerichs eigener FDP-Landesverband Thüringen musste nach Angaben der Parteigeschäftsstelle 16 Austritte hinnehmen, denen acht Eintritte gegenüberstünden, wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtete. In Mecklenburg-Vorpommern hielt sich das Mitgliederkonto nach den Ereignissen in Thüringen demnach die Waage: Zwei Austritte wurden durch zwei Aufnahmeanträge ausgeglichen.

          Sachsen-Anhalt konnte demnach bei sieben Austrittsmeldungen und acht Neuaufnahmen beziehungsweise Anträge auf Mitgliedschaft sogar ein kleines Plus verzeichnen. Sachsen hatte seit dem 5. Februar landesweit neun Austritte, es wurde ein Mitgliedsantrag gestellt. Bei der Bremer FDP habe es bei derzeit 410 Mitgliedern „genau einen Austritt aufgrund der Vorkommnisse in Thüringen“ gegeben, teilte die Partei der Zeitung mit. Aus Nordrhein-Westfalen lagen vergangene Woche laut Bericht noch keine landesweiten Angaben vor. Bundesweit zählt die FDP rund 65.000 Mitglieder.

          FDP sackt in einer Umfrage ab

          Die FDP liegt in der Wählergunst einer Umfrage zufolge nur noch knapp über der Fünf-Prozent-Hürde. Nach dem Rücktritt ihres Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich komme die Partei nur noch auf sechs Prozent und damit zwei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche, berichtete die „Bild am Sonntag“ vorab unter Berufung auf den „Sonntagstrend“ des Instituts „Kantar“. Kemmerich hatte sich am 5. Februar mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Nach drei Tagen im Amt trat er zurück.

          CDU/CSU hielten sich indes auch nach der Rückzugs-Ankündigung von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer bei 28 Prozent. Die Grünen kämen ebenfalls unverändert auf 20 Prozent, ebenso die SPD und die AfD mit jeweils 15 Prozent. Die Linke hingegen lege einen Punkt zu auf zehn Prozent.

          Bei der Bundestagswahl 2017 kam die FDP, die vier Jahre zuvor noch an der Fünfprozenthürde gescheitert war, auf 10,7 Prozent, die Union auf 32,9, die SPD auf 20,5, die Linke auf 9,2, die Grünen auf 8,9 und die AfD auf 12,6 Prozent (5 Prozent entfielen auf Andere).

          Befragt wurden insgesamt 1.886 Menschen im Zeitraum vom 6. bis zum 12. Februar 2020. Frage: „Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären?"

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