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FDP und Grüne : Versöhnung mit Sticheleien

Doppelte Charmeoffensive: FDP-Parteichef Christian Lindner und sein Stellvertreter Wolfgang Kubicki (beide FDP) am Donnerstag mit der Grünen-Vorsitzenden Katrin Göring-Eckhardt Bild: dpa

Es ist noch nicht lange her, da waren sich FDP und Grüne in herzlicher Abneigung verbunden. Davon ist beim ersten Sondierungstreffen kaum noch etwas zu spüren, so bedenken beide Seiten sich mit Nettigkeiten.

          Im jüngsten Bundestagswahlkampf sind sich Grüne und Freie Demokraten in besonders herzlicher Abneigung verbunden gewesen. Damals, in den Wochen vor dem 24. September, hoffte noch jede der beiden Parteien insgeheim, sie könne alleine der künftige kleine Regierungspartner der Unionsparteien werden. Entsprechend anrempelnd verhielten sich die Repräsentanten und Spitzenkandidaten, wenn sie über die jeweils andere politische Vereinigung sprachen. „Klimawandel-Leugner“, riefen die Grünen zur FDP, und „Putin-Versteher“. Von dort kamen Vorwürfe wie „Verbotspartei“ oder „notorische Moralisten“ zu den Grünen zurück.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Am Donnerstag, vor dem ersten Sondierungsgespräch der beiden kleinen potentiellen Partner in einer Dreier-Koalition, anerkannten die Teilnehmer von FDP und Grünen mit indirekten Formulierungen die vergangene Härte und probierten zur Abwechslung den Austausch von Nettigkeiten. „Der Wahlkampf ist vorbei; wir haben uns ja da nichts geschenkt“, stellte die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt fest. Und der FDP-Unterhändler Wolfgang Kubicki bemerkte, gerade zwischen Grünen und FDP sei die Stimmung „ja in der Vergangenheit nicht besonders herzlich“ gewesen. Beide Seiten müssten „langsam aus den Schützengräben heraus“. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, „dass wir uns nur wechselseitig die Torte ins Gesicht schlagen“.

          Ganz ohne Sticheleien ist das Versöhnungstreffen dann doch nicht geblieben. Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir verband seine Aussage, es gehe an diesem Tag um ein erstes Kennenlernen, mit dem Hinweis, „die FDP war ja in den letzten vier Jahren nicht so oft in Berlin“. Und Göring-Eckardt gab auf Anfrage die Auskunft, sie sei vorbereitet auf weitere Handküsse Kubickis. Der FDP-Politiker hatte sie bei einer ersten Begegnung am Tag nach der Bundestagswahl mit einer solchen angedeuteten Geste begrüßt, hatte dann aber gesagt, die Grünen-Spitzenkandidatin schaffe es „zuverlässig, mich innerhalb von 30 Sekunden rasend zu machen“. Die Sache hatte ein Nachgeplänkel in einer Talkshow am vergangenen Sonntag, in der sich die beiden abermals begegneten. Kubicki beteuerte bei jener Gelegenheit, von derartigen Begrüßungsritualen künftig absehen zu wollen.

          Vor der Begegnung am Donnerstag demonstrierten die beiden kleinen Parteien allerdings auch, dass sie einander doch schon ganz gut kennen. Bei den Themen Bürgerrechte und Digitalisierung, da habe man ja ganz ähnliche Positionen, sagte Özdemir, und der Kieler Grüne Robert Habeck, der zum großen Verhandlungsteam der Grünen zählt, gab an, in ihren Vorstellungen für ein Einwanderungsgesetz unterschieden sich FDP und Grüne nur in Nuancen.

          Aber auch bei der Frage nach den Differenzen nannten die Repräsentanten beider Parteien dieselben Stichworte. Sie lauteten vor allem: Ökologie und Klimaschutz.

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