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Nachwuchspolitiker : Ein Talent läuft sich warm

Hat schon sein halbes Leben in der Politik verbracht: Konstantin Kuhle Bild: Daniel Pilar

Konstantin Kuhle wollte so sehr in die Politik, dass er tat, was manche Jugendlichen nur machen, um den ersten Alkohol ihres Lebens zu kaufen: Er fälschte sein Alter. Porträt eines Nachwuchspolitikers. Teil 7 unserer Serie „Jung und politisch“.

          5 Min.

          Seine Politikkarriere begann mit einer Lüge. Als Konstantin Kuhle 13 Jahre alt war, wollte er unbedingt zu den Jungen Liberalen. Die Nachwuchsorganisation der FDP lässt Mitglieder erst zu, wenn sie mindestens 14 Jahre alt sind. Kuhle wollte aber so sehr in die Politik, dass er das tat, was manche Jugendlichen sonst nur machen, um an einer Tankstelle den ersten Alkohol ihres Lebens zu kaufen. Er fälschte sein Alter. Oder wie Kuhle es formuliert: Er passte sein Geburtsjahr an.

          Tim Niendorf

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Kuhle eilt die Straße entlang, auf der Suche nach einer ruhigen Parkbank. In der einen Hand hält er sein Smartphone, in dessen Kamera er schaut. Im Bundestag trägt er Anzug, heute Freizeitkleidung und eine Käppi. Und Kuhle, seit zweieinhalb Jahren Bundestagsabgeordneter, erzählt, warum es ihn zu den Liberalen zog. Das war vor knapp 20 Jahren. Kuhle lebte damals noch in einem niedersächsischen Dorf, das gerade ans Internet angeschlossen wurde. Dem Jugendlichen öffnete sich die Welt, und ihn faszinierte, dass die Freien Demokraten ihr Programm im Netz diskutierten. Kuhle mochte den noch jungen Guido Westerwelle, der frisch zum Parteivorsitzenden gewählt worden war, der in den Big-Brother-Container stieg und mit Menschen über Politik sprechen konnte, die sich sonst nicht dafür interessierten. Als er in seinem Dorf dann noch junge Liberale kennenlernte, die ihn abholten, mit zu Veranstaltungen nahmen und ihn behandelten wie einen Erwachsenen, war für Kuhle alles klar. Er hatte seine politische Heimat gefunden.

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