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Von der SPD zur FDP : Neumitglieder mit Vorgeschichte

Harald Christ ist jetzt Freidemokrat Bild: ddp/INTERTOPICS/pa

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen wirbt die FDP der SPD öffentlichkeitswirksam Personal ab. Die Partei will ihre „politische und persönliche Bandbreite“ erweitern.

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          Die FDP will ihr politisches Profil auch mit Köpfen verbreitern, die früher in anderen Parteien ihre politische Heimat hatten. Der FDP-Partei- und -Fraktionsvorsitzende Christian Lindner stellte am Dienstag als neuestes Mitglied seiner Partei den früheren SPD-Mittelstandsbeauftragten Harald Christ vor. Christ hatte kurz zuvor in Lindners Büro im Berliner FDP-Hauptquartier seinen Aufnahmeantrag abgegeben. Der 48 Jahre alte Unternehmer, der aus Worms stammt und eine Kommunikationsagentur führt, sagte anschließend, er wolle „kämpferisch und entschlossen“ in der FDP mitwirken und dafür „alle Ressourcen einsetzen“, die er zur Verfügung habe. Lindner hingegen lobte das neueste Mitglied seiner Partei als „einen der profiliertesten Wirtschaftspolitiker in Deutschland“, der die „politische und persönliche Bandbreite“ der FDP erweitern werde.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die FDP hat schon früher den Versuch gemacht, Mitglieder aus anderen Parteien zu sich zu holen, um damit Aufmerksamkeit auf Personen und Positionen zu lenken. Im Jahr 2007 gab es sogar einen Versuch der beiden FDP-Politiker Andreas Pinkwart und Philipp Rösler, den damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Friedrich Merz für die FDP zu gewinnen; Merz folgte allerdings der Einladung nicht. Lindner war zum Jahresanfang erfolgreicher; er präsentierte auf dem Dreikönigstreffen der FDP im Januar den früheren SPD-Landessozialminister und Chef der Bundesanstalt für Arbeit Florian Gerster als neues FDP-Mitglied; nun folgt diesem Übertritt eines früheren SPD-Funktionsträgers ein zweiter ähnlicher Schritt.

          Wie Gerster war Christ ursprünglich in der rheinland-pfälzischen SPD zu Hause; später wurde er jedoch auch in der Hamburger und der Berliner SPD aktiv. Wiederholt stand er als Kandidat für höhere Führungspositionen in Aussicht; in Hamburg war er einst als möglicher Kandidat für das Amt des Ersten Bürgermeisters im Gespräch; im Bund holte ihn der Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier 2009 in sein Schattenkabinett als Anwärter auf das Ressort des Wirtschaftsministers in einer von der SPD geführten Bundesregierung. Ähnlich wechselvoll wie die Liste seiner politischen Nominierungen und Hoffnungen ist die Folge seiner unternehmerischen Tätigkeiten.

          Ämter gibt es nicht, dafür Funktionen

          Lindner hat in der oppositionellen FDP gegenwärtig keine Ämter oder höhere Anwartschaften zu vergeben, Funktionen aber lassen sich schon einrichten. Christ soll nach dem Willen des FDP-Vorsitzenden eine Arbeitsgruppe leiten, die dem nächsten FDP-Bundesparteitag im Mai Vorschläge unterbreiten wird, wie „das Aufstiegsversprechen Soziale Marktwirtschaft“ in der Gegenwart erneuert werden kann.

          Lindner sagte, die Einbindung Christs in die FDP solle auch „eine Einladung an andere“ sein, „es ihm gleichzutun“. Die FDP brauche solche Beispiele, „um uns inhaltlich weiterzuentwickeln“. Der Vorsitzende nannte weitere Foren, in denen Christ künftig tätig sein werde, etwa den Bundesfachausschuss Wirtschaft der FDP und auch das „Wirtschaftsforum“ der Partei. Der höchstrangige Wirtschaftspolitiker im Parteigefüge der FDP, der für dieses Politikfeld im Parteipräsidium und in der Bundestagsfraktion zuständige Michael Theurer, fehlte am Dienstag bei der offiziellen Präsentation der neuen Verstärkungskraft.

          Christ beteuerte bei seinem ersten Auftritt als FDP-Mitglied, er wolle die sozialliberale Strömung, für die er persönlich stehe, in der FDP verstärken. Er gab auch an, er habe schon kurz nach seinem Austritt aus der SPD vor dem Jahreswechsel an ein Engagement bei den Freien Demokraten gedacht, habe aber eine gewisse Frist verstreichen lassen wollen. Auch die Ereignisse in Thüringen, wo vor drei Wochen ein FDP-Kandidat mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, hätten ihn abwarten lassen und „nachdenklich gemacht“. Dann hätten ihn aber die „Klarheit und Entschlossenheit von Lindner überzeugt“ und dazu gebracht, den Eintritt zu vollziehen.

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