https://www.faz.net/-gpf-6xg29

FDP : Lächeln dürfen sie

  • -Aktualisiert am

Mit Charme und Schürze: So schafft man es als Frau auf ein FDP-Plakat Bild: dpa

Als hätte die FDP nicht schon genug Probleme: Jetzt mucken auch noch die Frauen auf. Die Partei sei ein Männerverein, lautet der Vorwurf. Oder sind das nur Klagen eines Klubs erfolgloser Emanzen?

          7 Min.

          Doris Buchholz sieht nicht aus wie die typische FDP-Frau. Statt Handtasche trägt sie einen sportlichen roten Rucksack. Nicht damenhaft tritt sie auf, sondern männlich-burschikos. Sie trägt ausgebeulte Jeans, eine Jacke mit Nietenbesatz am Kragen, und die kurzen grauen Haare richten sich energisch nach allen Seiten. Doris Buchholz ist die Vorsitzende der Liberalen Frauen. Zum Vergleich: Die Vorsitzende der Frauenunion, Maria Böhmer, hat ihren Sitz in Berlin im Herzen der Macht. Sie ist Integrationsbeauftragte im Kanzleramt. Doris Buchholz macht Kommunalpolitik im Kreis Saarbrücken-Land, und das sagt eigentlich schon alles darüber, welchen Stellenwert die Frauenorganisation bei den Liberalen hat.

          Doris Buchholz hat in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht. Sie hat die FDP einen „Männerverein“ genannt und erzählt, dass man ihr einmal gesagt habe, man möchte nur „gut aussehende Frauen auf Wahlplakaten, nach dem Motto: Sex sells“. Sie sagt, dass Frauen in der FDP bei Wahlen meist auf aussichtslosen Listenplätzen landeten und dass in ihrem Bekanntenkreis keine Frau die Liberalen wähle. Die Schlagzeilen von Frau Buchholz trafen die Partei in der Krise, und sie trafen sie an einem wunden Punkt: Die FDP hat ein Frauenproblem.

          „Männerfeindlich“ und „Emanzenverein“

          Das verkrampfte Verhältnis der Partei zu ihrer Frauenorganisation ist dafür nur ein Indiz. „Die Liberalen Frauen waren nie in der Partei verankert“, sagt Irmgard Schwaetzer, die Gründungsvorsitzende von 1990. Fast alle liberalen Mandatsträgerinnen sind Mitglied, „weil man irgendwie Solidarität zeigen muss“, wie eine von ihnen sagt. Aber die meisten wollen nicht mit der Frauenfrage in Verbindung gebracht werden. Sie sprechen abfällig oder zumindest reserviert über die Frauenvereinigung. Es fallen Worte wie „männerfeindlich“ und „Emanzenverein“.

          Lange Zeit entsprach die Außenseiterrolle der Liberalen Frauen dem Selbstverständnis einer Partei, für die es die Frauenfrage eigentlich nicht gab. Bis in die siebziger Jahre waren Frauen in der FDP im Vergleich zu anderen Parteien gut vertreten, mit Hildegard Hamm-Brücher und Liselotte Funke, der Bundestagsvizepräsidentin auch in vorderen Positionen. Man schaffte das Frauenreferat ab. Aber spätestens seit Anfang der neunziger Jahre gab es eine Gruppe von Frauen, die eine stärkere Beteiligung forderten. Von der Parteiführung kamen in regelmäßigen Abständen entsprechende Bekenntnisse, von 1987 bis heute fasste der Bundesvorstand dreizehn Beschlüsse zur Frauenförderung. Seit 2007 gibt es ein Mentoring-Programm für junge Frauen.

          Frauenanteil kontinuierlich gesunken

          Aber die Entwicklung geht in die entgegengesetzte Richtung: Seit Mitte der neunziger Jahre ist der Frauenanteil unter den Parteimitgliedern kontinuierlich gesunken. Auch in Führungspositionen gibt es nur wenige Frauen: Von den fünf Kabinettsmitglieder der FDP ist Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die einzige Frau (bei der CDU ist das Verhältnis 4:4, bei der CSU 2:1). Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sind - abgesehen von der im Mai 2011 von ihren politischen Ämtern zurückgetretenen Silvana Koch-Mehrin - nur Frau Leutheusser und die ehemalige Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger. Die beiden sind auch die einzigen weiblichen Landesvorsitzenden. In der Bundestagsfraktion ist ein Viertel der Abgeordneten weiblich, in vielen Landtagsfraktionen sieht es schlechter aus. Vor allem junge Frauen fehlen: Im Bundestag sitzen für die FDP neunzehn Männer unter vierzig - und nur drei Frauen.

          Weitere Themen

          Der Agenda-Minister

          Nachruf auf Wolfgang Clement : Der Agenda-Minister

          Gemeinsam mit Gerhard Schröder setzte „Superminister“ Wolfgang Clement Reformen durch, zu denen wohl keine unionsgeführte Regierung imstande gewesen wäre. Den Lohn dafür heimsten andere ein. Ein Nachruf.

          So wird der amerikanische Präsident gewählt Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : So wird der amerikanische Präsident gewählt

          Das Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten wird nach Wahlmännerstimmen gekürt, welche die Kandidaten in den einzelnen Bundesstaaten erringen müssen. Wie viele Stimmen ein Staat im „Electoral College“ zu vergeben hat, hängt von seiner Bevölkerungsstärke ab.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.