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FDP-Kommentar : Nicht einschnappen

Kehren sie nochmal an den Verhandlungstisch zurück? FDP-Vorsitzender Christian Lindner und Generalsekretärin Nicola Beer. Bild: dpa

Der Abbruch der Sondierungsgespräche durch die FDP ist das eine – sich weiteren Gesprächen kategorisch zu verweigern das andere. Nicht nur die Liberalen müssen wieder das Ganze in den Blick bekommen.

          In der Politik kann man manches ausschließen – aber keine Wiederaufnahme von Gesprächen unter demokratischen, ja im Grunde bürgerlichen Parteien. Deshalb überrascht die kategorische Ablehnung eines abermaligen Jamaika-Versuchs durch den FDP-Vorsitzenden. Das ist nur durch die offenbar tiefsitzende Demütigung zu verstehen, welche die Partei durch Schwarz-Grün empfunden hat. Zu einer Demütigung gehören freilich immer zwei.

          Bemerkenswert, dass die FDP-Generalsekretärin zuvor Gesprächsbereitschaft signalisiert hatte – unter der Bedingung freilich, dass ein „komplett anderes Paket“ auf den Tisch gelegt werde. Doch nach einem solchen Neustart sieht es bisher nicht aus.

          Gerade wer aber Prinzipien und Verantwortung ins Feld führt, kann sich Gesprächen nicht verweigern und sollte das auch nicht kategorisch tun. Sonst könnte man sich ja auch den Termin beim Bundespräsidenten schenken. Standhaft heißt nicht eingeschnappt. Doch für die Reaktion der FDP trägt auch Schwarz-Grün Verantwortung. An das Ganze denken – auch das wäre bürgerlich.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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