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Katharina Lauterbach : Liberale aus Begeisterung und Enttäuschung

  • -Aktualisiert am

Katharina Lauterbach, Neumitglied der FDP aus Mainz Bild: privat

Bei der letzten Bundestagswahl durfte sie noch nicht abstimmen. Der Groko überdrüssig stellte sich Katharina Lauterbach die Frage: Zu den Grünen oder gegen den Trend?

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          Welche Partei wäre die richtige für eine junge Frau, die Politikwissenschaft und Philosophie studiert und sich ganz besonders für Klimapolitik und Feminismus interessiert? Viele würden sagen: die Grünen. Aber die junge Frau, sie heißt Katharina Lauterbach, findet: die FDP. Seit einem Jahr macht sie nun schon mit bei den Jungen Liberalen, genannt Julis. Und seit drei Wochen ist sie außerdem ganz offiziell Parteimitglied.

          Den Bundesparteitag der FDP verfolgt sie an diesem Samstag im Livestream. Lauterbach, 20 Jahre alt, zu Hause in Mainz, spricht am Telefon so begeistert über ihre Partei wie Luisa Neubauer über „Fridays for Future“. Weil sie am Freitag, als der Parteitag begann, noch für die Uni zu tun hatte, schaute sie die „Highlights“, wie sie sagt, auf Instagram und Youtube nach.

          Also zum Beispiel die Rede des Vorsitzenden, Christian Lindner. An der gefiel ihr besonders, dass er das Aufstiegsversprechen der FDP erneuert habe. Das Thema Bildung ist eines, das Lauterbach wichtig ist. Sie selbst komme zwar aus einem sehr bildungsnahen Elternhaus. Aber es beschäftigte sie, dass andere, denen es nicht so gehe, es so viel schwerer hätten. Auch Parteichef Lindner und Juli-Chef Jens Teutrine hätten sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet. Das beeindrucke sie.

          Aber Lauterbach ist nicht nur aus Begeisterung bei der FDP, sondern auch aus Enttäuschung. Bei der letzten Bundestagswahl durfte sie noch nicht wählen. Ihre Hoffnung war, dass die große Koalition abgewählt würde. Die erfüllte sich bekanntlich nicht. Also beschloss sie, künftig daran mitzuwirken. Zu schwerfällig kommt ihr das rot-schwarze Bündnis vor, auch altmodisch in vielen Fragen. „Nicht zukunftsfähig.“ Also überlegte sie, wo sie andocken sollte. Sie arbeitete die Programme der Grünen und der FDP durch. Beide erstmal interessant. Am Ende fand sie die Liberalen interessanter, vor allem wegen des Freiheitsgedankens. Aber Lauterbach schimpft nicht auf die Grünen, sie spöttelt auch nicht über Gleichaltrige, die fürs Klima auf die Straße gehen. Mit manchen ist sie befreundet. Dennoch machte sie stattdessen bei den Julis mit.

          Im Verlauf der Corona-Krise fühlte sie sich in ihrer Entscheidung bestärkt. Lauterbach findet, der Staat hätte den Bürgern da mehr Vernunft zutrauen können, statt alles streng zu regeln. Und sie verstand nicht, warum viele Bürger sich diese strengen Regeln sogar wünschten. Die Studentin sagt, in ihrem Freundeskreis hätten alle die Maßnahmen brav mitgemacht. Aber die nächtliche Ausgangssperre verstehe sie nicht. Die FDP lehnt diese als unverhältnismäßig ab, während die Regierung überzeugt davon ist, dass sie dazu beiträgt, die Infektionszahlen zu senken.

          Lauterbach sieht Entwicklungsbedarf in der FDP

          Als dann auch noch das Hickhack um den Kanzlerkandidaten der Union dazukam und die Grünen täglich neue Umfragehochs feierten, beschloss Lauterbach, Mitglied der FDP zu werden. Sie wollte auch ein kleines Zeichen setzen, nach dem Motto: Der Liberalismus hat auch seine Fans! Tatsächlich hat die FDP seit Anfang 2020 rund 3000 Mitglieder dazugewonnen, sie hat derzeit etwa 68.500 davon. Katharina Lauterbach nennt manche FDP-Politiker sogar ihre Vorbilder – zum Beispiel Gyde Jensen. Sie ist erst 31, sitzt schon im Bundestag und leitet dort den Ausschuss für Menschenrechte. Außerdem hat sie ein Baby. Wie sie es schafft, den Arbeit und Familie zu verbinden, findet Lauterbach bemerkenswert. Das sei überhaupt ein Thema, das sie und viele ihrer Freundinnen beschäftige.

          Zugleich sieht sie bei ihrer Partei auch noch Entwicklungsbedarf. Sie könnte schon noch attraktiver für Frauen werden. Zum Beispiel, indem sie sich zu Fragen des Feminismus klarer positioniere. Dass das am Freitag auch schon Thema auf dem Parteitag war, zählt für sie zu ihren „Highlights“. Alle Politiker, die die Studentin als Vorbilder nennt – zum Beispiel auch Konstantin Kuhle und den neuen stellvertretenden Vorsitzenden Johannes Vogel –, zählen zu den Jüngeren in der Partei. Vogel kam in seiner Parteitagsrede auch auf die Lage der Studenten in der Pandemie zu sprechen. Lauterbach hebt das hervor; in der öffentliche Debatte gehe es meist um die Schüler oder um die Arbeitnehmer, aber nicht um die dazwischen. Den gesamten Parteitag will Lauterbach nicht verfolgen, aber immer wieder reinschauen, bei manchen Punkten auch ganz bewusst. Sie sieht das als Vorbereitung für die nächsten Monate. Für den Wahlkampf. Da will sie mitmachen. Und dann, im Herbst, endlich zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl mitwählen.

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