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FDP im Aufwind : Junge Frauen und bunte Sprüche

  • -Aktualisiert am

Jubel am Wahlabend: Mit der parteilosen Spitzenkandidatin Lencke Steiner schaffte die FDP den Wiedereinzug in die Bremer Bürgerschaft. Bild: dpa

Die FDP feiert in Hamburg und Bremen nach einer langen Durststrecke erste Erfolge mit zwei jungen Spitzenkandidatinnen und einem neuen, lauten Auftritt. Doch funktioniert das auch bei den 2016 anstehenden Wahlen in anderen Bundesländern?

          Erst Katja Suding in Hamburg, nun Lencke Steiner in Bremen: Es sind zwei junge Frauen, die der FDP aus der Depression verholfen haben, in die sie nach dem Debakel in den letzten Bundestagswahlen gefallen war. In Hamburg jubelte die FDP mit Spitzenkandidatin Suding im Februar über einen Wähleranteil von 7,4 Prozent, in Bremen erreichte sie am Wochenende mit Steiner 6,5 Prozent der Stimmen – und schaffte damit den Wiedereinzug in die Bürgerschaft.

          In beiden Wahlen setzte die FDP auf eine schräge und irritierende Kampagne, die voll auf die jeweilige Spitzenkandidatin zugeschnitten war. „Unser Mann in Hamburg“ stand auf den Plakaten, mit denen die FDP Suding vorstellte, eine 39 Jahre alte PR-Managerin. Steiner, eine 29 Jahre alte Unternehmerin, warb unter anderem mit einem selbstironischen Wahlprogramm, das „Champagner für alle“, „Cabrios im Nahverkehr“ und ein „Grundrecht auf Mode“ postulierte.

          Diese Farben!

          Und immer wieder: diese Farben! Nicht mehr nur klassisch in blau und gelb kamen die Freien Demokraten daher, neu dominierte „magenta-pink“. Mit dem Hashtag #dasdingrocken warb die Bremer FDP für „eine neue Generation Bremen“. Auf dem Wahlplakat klebte eine Zunge im Stil des Logos der „Rolling Stones“. Die FDP im Jahr 2015: Ein Aufbruch mit bunten Sprüchen. Zeigte sich in Hamburg und Bremen die Rückkehr der Spaßpartei, wie manche bereits mäkelten?

          Bunt und schräg: Wahlkampagne für Katja Suding, FDP-Spitzenkandidatin in Hamburg im Februar.

          „Quatsch“, sagt Andreas Mengele. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Berliner Werbeagentur Heimat, die für die neue Kommunikationsstrategie der FDP verantwortlich ist. „Wir haben an keiner Stelle ohne Inhalte kommuniziert“, sagt Mengele. „Wir haben diese Inhalte nur auf eine frische Art und Weise dargestellt.“ Die Kampagne in Bremen habe die anderen Parteien alt aussehen lassen. „Herr Böhrnsen wirkte daneben total langweilig und uninspiriert.“ Allerdings habe man den neuen Auftritt der FDP nicht mit Blick auf die Wahlen in Hamburg und Bremen und die dortigen Spitzenkandidatinnen entwickelt. „Er steht für den Aufbruch der ganzen Partei, für die Haltung dahinter.“

          Auch in kommenden Wahlen, sagt Mengele, würden die Kandidaten der Freien Demokraten bunt und laut daherkommen. Natürlich müsse jeder Wahlkampf auf die einzelnen Kandidaten abgestimmt sein. Aber: „Glaubwürdig ist ein solcher Auftritt nur, wenn er über eine gewisse Zeit erfolgt. Man muss Konsequenz beweisen. Das kann man ganz gut auch mit männlichen Spitzenkandidaten.“

          Es ist bereits das zweite Mal, dass Heimat für die FDP arbeitet. In den Jahren 2000 und 2001 hatte die Agentur  in Nordrhein-Westfalen eine Kampagne für die Bildungspolitik der Partei erarbeitet. „Wenn wir nicht schnell für neue Lehrer sorgen, finden unsere Kinder selber welche“, stand auf einem Plakat. Abgebildet war unter anderem Adolf Hitler. Die Kampagne machte den heutigen Bundesvorsitzenden Christian Lindner – damals gerade mal 21 Jahre alt – zum jüngsten Abgeordneten der Geschichte im Landesparlament.

          In der FDP-Parteizentrale in Berlin ist man nach den Bremer Wahlen sicher: Der neue Auftritt bewährt sich. Und zwar nicht wegen des Stils, sondern aufgrund der Substanz. Die Kampagne in Bremen habe die thematischen Schwerpunkte der Freien Demokraten deutlich gemacht, sagt Generalsekretärin Nicola Beer: „Beste Bildung, wirtschaftliche Vernunft und Gründergeist.“ Sie verweist auf Nachwahlbefragungen, wonach 60 Prozent der Bremer FDP-Wähler sagten, dass Lösungsvorschläge zu Sachfragen für ihre Wahlentscheidung wichtig gewesen seien. 22 Prozent nannten die Spitzenkandidatin. Bei den SPD-Wählern gaben nur 41 Prozent die Sachfragen an.

          Posieren in Klatsch-Magazinen

          Beer selbst posierte im Februar im Klatsch-Magazin „Gala“ neben Katja Suding und Lencke Steiner für Fotos mit der Überschrift „Drei Engel für Lindner“. „Natürlich wollen wir zeigen, dass die FDP viel weiblicher ist, als manche angenommen haben“, sagt sie. Das werde man auch bei den kommenden Landtags- und Kommunalwahlen sehen. Der neue Auftritt der FDP richte sich aber nicht an ein bestimmtes Geschlecht, Alter oder Beruf: „Er bringt eine grundsätzliche Geisteshaltung zum Ausdruck. Um diese Haltung zu vertreten, braucht man nicht eine junge Frau zu sein.“

          Zur wirklichen Bewährungsprobe werden die Landtagswahlen im Frühling 2016. In Baden-Württemberg zieht die FDP mit Hans-Ulrich Rülke in die Wahl, in Rheinland-Pfalz mit Volker Wissing. Und in beiden liberalen Stammländern muss die FDP beweisen, dass ihre kommunikative Offensive auch mit anderem Personal funktioniert.

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