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FDP-Abgeordneter Aggelidis : Der Grieche im Bundestag

Die Frage nach der Staatsbürgerschaft trieb ihn um

Als das Abitur geschafft war, machte Aggelidis eine Lehre zum Bankkaufmann, arbeitete bei großen Banken, bis er – ähnlich wie sein Vater Jahrzehnte zuvor – mehr Freiräume und Selbstverantwortung wollte und bei einer kleineren Beratungsfirma einstieg. Aggelidis sagt heute von sich, er sei vor allem Norddeutscher. Er ist jetzt 53 Jahre alt. Manchmal muss er beim Sprechen nach dem deutschen Wort suchen: „Wie sagt man?“

Jahrelang trieb ihn die Frage nach der Staatsbürgerschaft um. Er wollte Deutscher werden, aber aus Rücksicht auf seine große Familie zögerte er und ließ es treiben. Bis er nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf einer Dienstreise nach Amerika erfahren musste: Die Einreisebestimmungen haben sich geändert, wer einen griechischen Pass hat, braucht ein Visum. Er hatte kein Visum, die Reise fiel für ihn aus. Jetzt wollte er die deutsche Staatsbürgerschaft und erfuhr, wonach er zuvor nie gefragt hatte: Er könne Grieche und Deutscher zugleich sein.

Am Revers trägt er unübersehbar sein Rotary-Abzeichen: „Wir vergeben bei uns in Nieburg-Neustadt jedes Jahr einen Jugendpreis für besonders engagierte Jugendliche. Im Mai stellen sich die Kandidaten vor, Anfang Juni ist die Preisverleihung.“ Der Preis habe ausdrücklich keine Zweckbindung. „Die jungen Leute könnten es also auch für sich selbst verwenden. Aber unsere Erfahrung lehrt, dass die Preisträger das Geld sowieso wieder in ihre Projekte stecken.“ Das seien auch seine Erfahrungen: Chancen nutzen, Selbstverantwortung und Selbstbestimmung, Disziplin und Ehrgeiz.

Ein Thema, das die Leute beschäftigt

Das Kinderchancengeld soll für die FDP Eckpfeiler liberaler Familienpolitik sein, wenn die Partei mal wieder mitregiert. Die Bundestagsfraktion hat das Aggelidis-Papier einstimmig beschlossen, auch der Parteitag am Wochenende war dafür. Aggelidis sagt: „Ich merke, dass es in fast jedem Gespräch irgendwann um Familie, Bildung, Sozialpolitik geht. Das treibt die Gesellschaft um, da müssen auch wir Liberalen sichtbarer werden. Der Schlüssel zu besserer Bildung ist aber nicht unbedingt mehr Kohle, es kommt auf das Umfeld an.“

Er habe das selbst mit seinen Eltern erlebt, auch ohne große Förderung durch den Staat. Das spreche keineswegs gegen staatliche Unterstützung, fügt er hinzu. Aber die müsse auch richtig ankommen, und sie dürfe kein bürokratisches Monster sein mit Anträgen seitenweise für ein paar Euro. „Ich will, dass alle Kinder und Jugendlichen bei uns eine sehr gute Chance haben, auch jene, die neu nach Deutschland kommen.“

Vorerst hat ein Kinderchancengeld politisch keine Chance, dafür fehlt es der FDP an Einfluss. Aber manchmal sind die Urheber politischer Ideen interessanter als die Ideen selbst.

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