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FDP-Generalsekretär Döring : Worte? Nicht seine Sprache

Redefreiheit: Rösler mit Döring Bild: ddp images/dapd/Nigel Treblin

Eigentlich war der liberale Generalsekretär Patrick Döring von Philipp Rösler engagiert worden, um die FDP endlich zu einen und seinen strauchelnden Vorsitzenden zu stützen. Nun blamiert Döring Rösler öffentlich - und alle Welt fragt sich: Was ist bloß in den Mann gefahren?

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          Der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring lässt sich dieser Tage gerne als Angreifer und als Mann klarer Worte porträtieren. Die verwobenen Umstände vertraulicher Gespräche, im Berliner Jargon „unter drei" genannt, will er hinter sich lassen. Was ein Generalsekretär öffentlich - also "unter eins" - nicht sagen wolle, das, so Döring „verschluckt man lieber“. Begleitet von dieser markigen Ansage fielen dem Niedersachsen dann allerlei Bemerkungen aus dem Mund, die er am Tag des Erscheinens eines Artikels der Zeitschrift „Stern“ wohl lieber nicht gelesen hätte.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Dass seine geringschätzigen Äußerungen über seinen Parteivorsitzenden und Freund Philipp Rösler und den Amtsvorgänger Christian Linder nicht autorisiert seien, konnte er allerdings nicht mehr beklagen, also blieb ihm nur, sie zu relativieren. Döring hatte gesagt, Rösler sei "kein Kämpfer, sondern ein Wegmoderierer", und hätte nach dem Mittwochsrücktritt Lindners den Freitag als Parteivorsitzender "wahrscheinlich nicht mehr erreicht", wäre nicht seine, Dörings, Nominierung blitzschnell erfolgt. Und es könne sein, dass Rösler in der gegenwärtigen Lage der FDP ein besserer Minister als ein Parteivorsitzender wäre.

          „Brandbeschleunigende“ Wirkung

          "Kann sein", hatte Döring auf eine entsprechende Frage geantwortet. Über seinen Vorgänger Lindner, Großtalent und Hoffnungsträger noch vor einem dreiviertel Jahr, war Döring hergezogen wie ein Holzfäller mit der Axt über einen Stamm. Lindner habe mit seinem Rücktritt "brandbeschleunigend" gewirkt. Er sei wie ein erfolgreicher Versicherungsvertriebler gewesen, dem der Erfolg zu Kopfe stieg und der sich "dann einen Porsche kauft". Wobei Döring sicher bedacht hatte, dass Lindner einen solchen Sportwagen besaß, bevor er FDP-Generalsekretär wurde.

          Immer habe er ironisch gesagt, Lindner solle doch gleich Parteivorsitzender werden, "am besten König von Deutschland". "Ich habe", so ließ der Versicherungsvorstand Döring mit Blick auf die jungen Leute an der Parteispitze wissen, "in meinem Leben mehr Personal geführt als die alle zusammen". Bereits zuvor hatte man Lindner zum Abschied nachgerufen, jetzt werde die Parteizentrale "wieder" kampagnenfähig werden, was sie, so die Botschaft, unter ihm nie war.

          „Ja, das kann intrigant wirken“

          Dörings Rolle dabei beschreiben andere in der FDP so: "Als Schatzmeister hat er dem Lindner das Geld für Personal und Kampagnen im Dehler-Haus verweigert, um dann in Hintergrundgesprächen die schlechte Arbeit der Parteizentrale zu beklagen." Döring selbst gibt zu, selbst in einem früheren "Hintergrundgespräch" beim "Stern" gegen Lindner gewettert zu haben. Es sei das Bedürfnis gewesen, die Wahrnehmung über "eine Person in besonderer Verantwortung" (gemeint ist Rösler) "mal geradezurücken", sagt Döring und fährt fort: "Ja, das kann intrigant wirken, da haben sie recht."

          Anders als in seinem Verhalten im Straßenverkehr kann man dem Parteipolitiker Döring in Sachen FDP derzeit nicht vorwerfen, er entferne sich unerlaubt vom Unfallort. Allerdings wirken seine Äußerungen, als versuche er den Brand im früheren "Guido-Mobil" mit Benzin zu löschen. Dass es vor dem traditionellen Dreikönigstreffen bei der FDP etwas munterer werden könnte, war zu erwarten. Forderungen aus Landesverbänden der Partei an den jeweiligen Bundesvorsitzenden, nunmehr Führungsstärke zu zeigen, gehört zum Brauchtum der Freien Demokraten. Nie war die Lage vor einem Dreikönigstreffen dramatischer als diesmal. Die FDP steht in Umfragen stabil bei drei Prozent.

          Der schleswig-holsteinische FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, in dessen Land im Frühsommer gewählt wird, sagte am Mittwoch, er erwarte von Rösler klare Antworten, wohin er die Partei steuern möchte. Bloße Überschriften reichten nicht aus. Ohne "identifizierbare Kernbotschaften", mahnt Kubicki, drohe ein kollektiver Aufschrei.

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