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FAZ.NET-Spezial D-Day : „Ein Sieg für Deutschland“

  • Aktualisiert am

Schröder am Grab eines unbekannten Soldaten Bild: dpa/dpaweb

Sechzig Jahre nach dem Beginn der kriegsentscheidenden Normandie-Schlacht dankt Bundeskanzler Schröder den Alliierten für ihren Kampf für Freiheit und Demokratie. FAZ-NET-Spezial zum D-day.

          Vor dem Rathaus von Caen flattert auch die deutsche Flagge. Es ist das erste Mal, daß hier und in Arromanches zum D-Day, dem Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie, die schwarz-rot-goldene Fahne neben denen der Nationen gehißt ist, die in die Geschichtsbücher als Siegermächte eingegangen sind.

          Sechzig Jahre nach dem Beginn der kriegsentscheidenden Normandie-Schlacht ist für Bundeskanzler Schröder der Zeitpunkt gekommen, den Alliierten vor Ort und Stelle Anerkennung und Dank für ihren Kampf für Freiheit und Demokratie auszusprechen.

          „Es ist nicht das alte Deutschland jener finsteren Jahre, das ich hier vertrete. Mein Land hat den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völkergemeinschaft gefunden ... Es ist ein guter Tag - heute, am 6. Juni 2004, Frankreich und seinen Verbündeten dafür zu danken“, sagte er in Caen. Schon zuvor hatte er in Berlin gesagt, heute könnten die Deutschen dieses Datums „erhobenen Hauptes“ gedenken. „Der Sieg der Alliierten war kein Sieg über Deutschland, sondern ein Sieg für Deutschland.“

          Die Schatten der Vergangenheit: Britische Veteranen auf dem Weg zum Soldatenfriedhof von Ranville

          Deutsch-französische Gedenkfeier

          Vor dem gemeinsamen Mittagessen mit den Staats- und Regierungschefs der 16 Teilnehmerstaaten im Rathaus von Caen empfing Gastgeber Chirac den Bundeskanzler besonders herzlich. Die Freundschaft der beiden einstigen Kriegsgegner stand auch am Abend im Mittelpunkt der deutsch-französischen Gedenkfeier am Memorial de Caen, einem 1988 von Präsident Mitterrand eingeweihten Museum.

          Alliierte Bomben und der Häuserkampf der von Hitler kommandierten Truppen hatten aus Caen ein Trümmerfeld und einen Ort gemacht, an dem die Erinnerung an das blutige Geschehen des Zweiten Weltkrieges wach bleibt. „Wir in Deutschland wissen, wer den Krieg verbrochen hat. Wir kennen unsere Verantwortung vor der Geschichte, und wir nehmen sie ernst“, sagte Schröder in Caen. „Wir schauen auf die Schlachtfelder Europas in großer Trauer. Um so dankbarer sind für dafür, daß Frankreich und Deutschland heute einander näherstehen denn je.“

          Schröder erinnert an Verbrechen

          Der Bundeskanzler hob die Verbrechen der Waffen-SS hervor und insbesondere das Massaker in Oradour-sur-Glane. Schröder hatte es abgelehnt, den größten deutschen Soldatenfriedhof in der Normandie in La Cambe zu besuchen, weil dort auch Gräber von Soldaten der Waffen-SS sind.

          Die deutschen Gefallenen würdigte er auf dem britischen Friedhof von Ranville. „Deutsche Soldaten fielen, weil sie in einen mörderischen Feldzug zur Unterdrückung Europas geschickt wurden. Doch in ihrem Tod waren alle Soldaten über die Fronten hinweg verbunden - in der Trauer ihrer Eltern und Frauen, ihrer Geschwister und Freunde. Vor ihrer aller Schmerzen verneigen wir uns“, sagte Schröder in seiner Rede in Caen.

          Symbolischer Schulterschluß

          Mit einem symbolischen Schulterschluß von Präsident Chirac und Präsident Bush vor den 9387 mit weißen Kreuzen oder Sternen gekennzeichneten Gräbern auf dem amerikanischen Friedhof von Colleville-sur-Mer hatten die D-Day-Feiern am Morgen bei strahlendem Sommerwetter begonnen. Zumindest an diesem Tag ließen die beiden Staatsmänner ihre Divergenzen verstummen, die sie noch am Vortag bei Fragen zum Irak und zum Nahen Osten in Paris dargelegt hatten. Präsident Chirac verlieh der „Dankbarkeit Frankreichs“ Ausdruck, welche die Nation „den Verbündeten seit jeher schuldet“.

          „Frankreich wird nie diesen 6. Juni 1944 vergessen, an dem die Hoffnung wiedergeboren wurde“, sagte Chirac. „Frankreich wird nie vergessen, was es Amerika schuldet, seinem immerwährenden Freund, und den Verbündeten, denen zu verdanken ist, daß das wiedervereinigte Europa in Frieden, Freiheit und Demokratie lebt.“ Der französische Gastgeber ließ es sich nicht nehmen, den am 6. Juni begonnenen Kampf mit der Charta der Vereinten Nationen in Verbindung zu bringen. Die Kriegsziele der Alliierten hätten einer „gewissen Idee von der Welt“ entsprochen, die in der UN-Charta dann Niederschlag gefunden habe.

          Gedenken an Reagan

          Der amerikanische Präsident Bush gedachte zunächst des verstorbenen Präsidenten Reagan, um dann aus den Erinnerungen von Kriegsveteranen zu zitieren. Bush hob die Siegesgewißheit der alliierten Entscheidungsträger hervor. „Diese Operation ist als Sieg geplant, und so wird sie verlaufen“, zitierte Bush General Eisenhower. Im Gegensatz zu Präsident Chirac, der den Kriegsgegner nicht erwähnt hatte, hob Bush die „Nazis“, die “deutschen Soldaten“ und das „feindliche Feuer“ hervor.

          Deutlich war in Bushs Rede der Wunsch anzumerken, auf Verbindendes mit Frankreich abzuheben. So erzählte Bush die Anekdote einer jungen Französin Anne Marie, deren Vater am D-Day rief: „Meine Tochter, dies ist ein großer Tag für Frankreich.“ Bush fügte hinzu, es sei auch ein großer Tag für Anne Marie geworden, weil sie später einen jungen amerikanischen Soldaten heiratete.

          Bush zog in seiner Rede keinen Vergleich zwischen dem D-Day und dem Irak-Krieg. Präsident Chirac hingegen hatte Bush versichert, bei Prüfungen und barbarischen Verbrechen „wie dem 11. September 2001, der in unserem Gedächtnis und unseren Herzen präsent bleibt“, an der Seite Amerikas zu stehen. Präsident Bush beantwortete diese Solidaritätsbekundung zum Schluß seiner Rede. „Amerika ehrt alle Befreier, die aus dem edelsten Grund kämpften. Amerika würde dies für seine Freunde wieder tun.“

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