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FAZ.NET-Countdown : Merkels Diesel-Gipfel und das Warten auf „Merkron“

  • -Aktualisiert am

Dank Diesel-Skandal auch kein uneingeschränkt schöner Termin mehr für Merkel: der traditionelle Besuch der Internationalen Automobilausstellung, hier 2015. Bild: dpa

Merkel beehrt die IAA mit doppelten Botschaften, Schulz hat kein Gewinnerthema – und wer folgt eigentlich auf Jean-Claude Juncker? Alles Wichtige des heutigen Tages im FAZ.NET-Countdown.

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          Zehn Tage vor der Bundestagswahl findet der echte Diesel-Gipfel statt. Nicht in Berlin, sondern in Frankfurt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird an diesem Donnerstag auf der Internationalen Automobil-Ausstellung sprechen und sich danach auf den traditionellen Rundgang begeben. Auf der IAA präsentieren sich die deutschen Hersteller sehr elektronisch – musikalisch gesprochen irgendwo zwischen „Speed Garage“, „Hardcore Electro“ und „Industrial Metal“.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Der schöne Schein – die meisten Ausstellungsmodelle sind Prototypen – soll überdecken, dass die Autobauer aus Wolfsburg, Stuttgart und München im Dieseldunst die Zukunft ein wenig verschlafen haben – musikalisch gesprochen irgendwo zwischen „Trancecore“ und „Death Industrial“.

          Merkel dürfte in Frankfurt ihre bekannte doppelte Botschaft loswerden. Über den Manipulationsskandal sagt sie, das Ausmaß des Betruges habe sie sich nicht vorstellen können. Aber: Es gehe jetzt nicht darum, die Automobilindustrie und ihre Vorstände „an den Pranger“ zu stellen. Merkel hatte kürzlich mit Vertretern großer Städte über Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung durch Dieselautos beraten. Belasteten Städten wurden zusätzliche 500 Millionen Euro vom Bund zugesagt. Ziel sei es, Dieselfahrverbote in den Städten zu vermeiden.

          Der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz wird am Donnerstag auch das ein oder andere Worte zum Thema Auto und Diesel verlieren. Er spricht auf einer Kundgebung in Braunschweig. Und da hängt wieder einmal alles mit allem zusammen: Bundestagswahl mit Landtagswahl, Niedersachsen mit Wolfsburg, Dieselaffäre mit VW-Landesanteil. Auch kein Gewinnerthema für den Herausforderer. 

          Was sonst noch passiert

          In Paris plant man schon einmal über den 24. September hinaus. Auch wenn Schulz immer wieder seine enge Freundschaft mit Präsident Emmanuel Macron hervorhebt, dessen Premierminister Édouard Philippe wird Freitag – also neun Tage vor der Bundestagswahl – zu seinem Antrittsbesuch bei Merkel in Berlin erwartet. Auch in Frankreich plant man schon einmal über den Wahltermin hinaus. Und Europa wartet auf „Merkron“.

          Die Rede Jean-Claude Junckers zur Lage in Europa hat daran erinnert, dass der EU-Kommissionspräsident nicht für eine weitere Amtszeit antreten möchte. Falls er es sich nicht noch anders überlegt, bräuchte man 2019 einen Nachfolger für den Christdemokraten. Wer böte sich da besser an als sein sozialdemokratisches Alter Ego Schulz? Zumal die Briten, die im Frühjahr dieses Jahres – auf dem Höhepunkt der „Schulzomania“ – wahrscheinlich gedacht haben, die Deutschen seien nun vollkommen verrückt geworden, bei der Personalie nicht mehr mitreden werden.

          Bleibt nur die Frage: Was macht man – im Fall einer großen Koalition – bis 2019 mit Schulz? Außenminister? Fraktionsvorsitzender? Sage keiner, der 24. September würde nicht spannend.  

          Die Lese-Empfehlung zum Schluss

          Stefan Locke und Matthias Wyssuwa, meine Kollegen in Dresden und Hamburg, widmen sich auf der Seite 3 einem dunkeldeutschen Phänomen: Wahlveranstaltungen gehen im Wutgebrüll unter. Aus Banalitäten entstehen Verschwörungstheorien. Warum brandet der Bundeskanzlerin gerade in Ostdeutschland so viel Hass entgegen?

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