https://www.faz.net/-gpf-92t4s

FAZ.NET-Countdown : Mannomann!

  • -Aktualisiert am

Daumen hoch: Die SPD kann auch dann Wahlen gewinnen, wenn Martin Schulz Parteivorsitzender ist – eine neue Erkenntnis für die Genossen Bild: dpa

Wer hätte das gedacht: Auch mit Martin Schulz kann die SPD Wahlen gewinnen. Zum ersten Mal seit langem ist die CDU wieder neidisch – und mancher träumt längst von Sebastian Kurz. Der FAZ.NET-Countdown am Montag.

          3 Min.

          Mannomannomann, was für eine Erleichterung im Willy-Brandt-Haus! Die SPD kann doch noch Wahlen gewinnen – obwohl Martin Schulz Parteivorsitzender ist. Für die Genossen ist das nach dem Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und dem Inferno Bundestagswahl eine fast schon vergessene Erfahrung. Und für Martin Schulz Balsam auf seine geschundene Seele. „Die Leute finden mich peinlich. Die lachen über mich“, sagte er dem „Spiegel“-Reporter Markus Feldenkirchen im Bundestagswahlkampf, als auch er schon längst keine Hoffnung mehr hatte und die älteste deutsche Partei nur noch zum Sterben verdammt schien. In Hannover haben die Genossen aber gezeigt, dass nicht nur in der SPD doch noch Leben steckt, sondern auch in ihrem Parteivorsitzenden.

          Denn so niedersächsisch das Wahlergebnis von Hannover auch sein mag, in Berlin wird es als Wiederauferstehungslegende eines Parteivorsitzenden gelesen werden, der vor drei Wochen noch zum Abschuss freigegeben schien. Vielleicht war Hannover sogar einer der wichtigsten Momente im politischen Leben des Martin Schulz. Der Abend, an dem er nach dem überirdischen Hoffnungsträger und dem unterirdischen Kanzlerkandidaten zum irdischen Parteivorsitzenden geworden ist, der sein Abo auf demütigende Niederlagen vorerst gekündigt hat. All diejenigen in der SPD, die nach der Bundestagswahl mit der Faust in der Tasche nur bis zum gestrigen Wahlabend gewartet haben, um Schulz endgültig abzusägen, dürften jetzt jedenfalls deutlich weniger Argumente für einen Putsch haben.

          Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
          Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

          Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

          Mehr erfahren

          Das Gegenteil gilt für die CDU. Auch wenn Angela Merkel weder für die landespolitischen Fallstricke in Hannover noch für den glücklosen Bernd Althusmann etwas kann, wird die Diskussion, welchen Anteil sie und ihre „Fähigkeit“ zur Selbstkritik an dem neuerlichen Desaster haben, jetzt noch einmal an Schärfe zunehmen. Das deutet auch Daniel Deckers in seinem Leitartikel zur Niedersachsen-Wahl an. Solange sie noch eine Garantin für Wahlsiege war, war Merkel in der CDU unangefochten – jetzt beschleunigt sich mit jeder weiteren Niederlage die Debatte um ihre Erbfolge. Trotzdem wird die Kanzlerin heute, wenn das CDU-Präsidium in Berlin zusammenkommt, wohl dabei bleiben, dass sie „keine Fehler erkennen“ kann. Das mag man Beharrlichkeit nennen. Oder Starrsinn.

          Was noch wichtig wird

          Umso sehnsuchtsvoller blickt mancher in der Union vielleicht nach Österreich, wo Sebastian Kurz mit seinem Wahlsieg am Sonntag eindrucksvoll belegt hat, was ein junger, aufstrebender Hoffnungsträger aus einer alten, konservativen Partei machen kann. Nach dem Erfolg seiner ÖVP bei der Parlamentswahl hat er gute Aussichten, der jüngste Regierungschef Europas zu werden – vorausgesetzt, es geht sich mit der rechten FPÖ gut aus, wie unser Wiener Korrespondent Stephan Löwenstein beschreibt. Er schildert auch, wie die FPÖ die österreichische Politik in der Innenpolitik schon jetzt nach rechts gerückt hat und warum FPÖ-Spitzenkandidat Strache Österreich gerne in der einwanderungsfeindlichen Visegrád-Gruppe sähe. Einfacher dürfte es mit einem Österreich unter Kurz für die EU jedenfalls nicht werden.

          Weitaus brenzliger ist es für Europa aber gerade an einer anderen Stelle. Heute um 10 Uhr läuft das erste Ultimatum des spanischen Ministerpräsidenten Rajoy an die katalanische Regionalregierung ab; spätestens dann muss Regionalpräsident Carles Puigdemont klar die Frage beantworten, ob er bei seiner Rede am Dienstag in Barcelona tatsächlich die Unabhängigkeit Kataloniens erklärt hat. Sollte er diese Frage mit „Si“ beantworten, wären die Folgen kaum abzusehen. In diesem Text beschreibt mein Kollege Hans-Christian Rößler, warum spanische Regionen wie Katalonien oder das Baskenland schon seit langem mehr Anerkennung als „historische Regionen“ wollen.

          Was man lesen muss

          Wie schlau muss ein Politiker sein? Nicht nur der amerikanische Außenminister Rex Tillerson stellt sich diese Frage angesichts seines Chefs Donald Trump offenbar mit wachsender Begeisterung. Zumindest wird Tillerson nachgesagt, Trump als „Trottel“ beschimpft zu haben, was der leidensfähige frühere Öl-Manager immerhin nicht direkt dementiert hat. Aber ist der IQ wirklich eine Kategorie, die über den Erfolg von Politikern entscheidet?  Und wenn es nicht der IQ ist, was ist es dann? „Brains aren't what make a leader great“, schreibt Jeff Greenfield in einem lesenswerten Text für das Online-Politikmagazin Politico. Das ließe ja noch hoffen. Oder doch nicht?

          Ebenfalls eine lohnende Lektüre: der Text meines Kollegen Bernd Steinle. Er hat den Extrembergsteiger Hans Kammerlander getroffen, der 1991 am 8163 Meter hohen Manaslu in Nepal zwei Freunde verlor und seither nie wieder einen Aufstieg versucht hat – aber jetzt will er den Berg doch noch bezwingen. Ein lesenswertes Stück über Stärke, falsche Heldengeschichten und den letzten Achttausender im Leben.

          Abonnieren Sie hier den kostenfreien politischen und wirtschaftlichen Newsletter F.A.Z. Sprinter. Der kompakte Überblick über alles, was am Tag wichtig wird. Immer werktags um 6.30 Uhr.

          Weitere Themen

          Das Duell der Ungleichen

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Topmeldungen

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.