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FAZ.NET-Countdown : Das Ringen der Autisten

  • -Aktualisiert am

Die Groko-Gespräche gehen in die entscheidende Woche (Symbolbild). Bild: AFP

In Berlin nähert sich die Groko im Kriechgang ihrem Abschluss. Und das, obwohl die wirklich wichtigen Themen außen vor bleiben. Ob heute trotzdem was Spannendes passiert, steht im FAZ.NET-Countdown.

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          Hast du nicht Lust, zum „Countdown“-Team zu gehören? Das hatten die Kollegen ganz harmlos gefragt. Alle zwei Wochen über die wichtigsten politischen Themen des Tages schreiben, haben sie gesagt. Coole Sache, meinten sie. „Kannste auch Dein Profil als Journalist schärfen.“

          Und jetzt: „Ringen um Regierungsbildung“. Ringen am Montag, Ringen am Dienstag, Ringen am Mittwoch. Donnerstag und Freitag auch. Jeden Tag der gleiche sprachlich vermurkste Eintrag in den „Top-Terminen“ unserer Lieblings-Nachrichtenagentur. Mal abgesehen davon, dass die Groko-Verhandlungen nicht auf einer Matte stattfinden und nachher niemand Blumenkohlohren haben wird: Für politische Newsletter-Schreiber sind diese Monate wirklich kein Zuckerschlecken. Ähm, sorry, jetzt rutschen hier auch schon schiefe Sprachbilder durch. Kein Vergnügen sind diese Zeiten, meine ich.

          Nach wie vor ist offenbar das wichtigste Thema der künftigen Koalitionäre der Familiennachzug für Flüchtlinge. Mein Kollege Eckart Lohse zeichnet nach, wie es dazu gekommen ist. Man könnte schon fast glauben, früher hätte mal jemand gesagt: „It's the refugees, stupid!“ Hat aber niemand gesagt. Doch nicht nur Themen wie die wirtschaftliche Zukunft des Landes bleiben in Berlin gerade auf der Strecke. „Politischen Autismus“ wirft der Politologe Klaus Segbers den Verhandlern in einem Gastbeitrag vor, weil sie sie sich aus seiner Sicht im Kleinklein verheddern, statt wichtige, große Entscheidungen zu treffen.

          Was also wird am Dienstag wichtig? Heute in Amerika, und in der Nacht zum Mittwoch bei uns, wird Donald Trump seine Rede zur Lage der Nation halten. Hier schon sinngemäß die Kernaussagen, die alles andere als im Kleinklein stecken bleiben:

          „Amerika wird endlich wieder großartig. Seit ich Präsident bin, erreicht der Dow Jones ständig neue Allzeit-Hochs. Die Arbeitslosigkeit ist auf niedrigem Rekordniveau. Und das ist mein Verdienst. Ganz allein mein Verdienst. Die Steuerreform wird unser Land noch großartiger machen. Jobs kommen nach Amerika zurück. Das einzige Problem in unserem großartigen Land sind die Leute, die nicht an meine Großartigkeit glauben. Gott segne Amerika.“

          Mal was anderes

          Worüber der Präsident mit Sicherheit nicht reden wird, ist der Sexismus in seinem Land, gegen den sich gestern unserer Zeit viele Künstler während der „Grammy“-Verleihung gewehrt haben. England ist da ein Stück weiter, was vielleicht auch daran liegt, dass eine Frau die Regierungsgeschäfte führt. Theresa May sagte, sie sei „angewidert“ von den mutmaßlichen sexuellen Übergriffen während eines Treffens eines angeblich noblen Herrenklubs. Der „Guardian“ fragt sich angesichts der Grapschereien der besseren Gesellschaft, warum Männer überhaupt derart auf Männer-Partys stehen. Schließlich seien die laut, ordinär und mit Erbrochenem getränkt. Die Antwort ist recht einfach.

          Viel einfacher jedenfalls, als die Groko-Verhandlungen werden. Heute, morgen und übermorgen. Aber diesen Ring-Kampf müssen die nächsten Countdown-Schreiber führen. Und damit hoffentlich ihr Profil schärfen.

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