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FAZ.NET-Countdown : Raus aus der Schmollecke!

Das Versteckspiel ist vorbei: Die SPD öffnet sich für Gespräche mit der Union. Bild: AP

Martin Schulz bekommt von allen Seiten eine verpasst: Erst gibt es den Dämpfer von den Genossen, dann erntet der wiedergewählte SPD-Chef auch noch einen Seitenhieb aus Bayern. Dabei stehen manchen noch unruhigere Adventstage bevor.

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          Alexander Dobrindt weiß, wie man eine gute Gesprächsatmosphäre schafft. Der Beschluss des SPD-Parteitags, dass die Sozialdemokraten für „ergebnisoffene“ Gespräche mit der Union über eine Neuauflage der großen Koalition bereitstehen, war erst wenige Minuten alt, da lederte der CSU-Landesgruppenchef los, wie zu besten Jamaika-Sondierungszeiten. Die SPD-Entscheidung, sich den Treffen mit CDU und CSU nicht zu entziehen, bezeichnete Dobrindt als „ersten Schritt aus der Schmollecke“. Der frühere Verkehrsminister hat Erfahrung damit, mit markigen Worten Gesprächspartner zu vergrätzen: Als die Grünen während der Jamaika-Verhandlungen nicht mehr auf das Ende des Verbrenungsmotors bis 2030 pochten, polterte Dobrindt, dass das „Abräumen von Schwachsinnsterminen“ noch lange kein Kompromiss sei.

          Gleichwohl dürfte die SPD – trotz breiter Zustimmung für den Antrag zur Kontaktaufnahme mit der Union – tatsächlich nicht sonderlich geschlossen in den Sondierungsgesprächen auftreten. Sowohl Parteichef Martin Schulz (81,9 Prozent) als auch seine Stellvertreter Scholz und Stegner (jeweils etwa 60 Prozent) bekamen von den Genossen bei ihrer Wiederwahl derbe Dämpfer verpasst. Für F.A.Z-Hauptstadtkorrespondent Günter Bannas ist die SPD derzeit sogar so zerrissen, wie nur selten zuvor. Vor allem Martin Schulz wirkte vor, während und nach seiner Rede wie ein Getriebener, der es nicht schafft für Klarheit zu sorgen. FAZ.NET-Autor Markus Kollberg hat den SPD-Chef bei seinem Auftritt beobachtet und weiß, wer in Berlin zum heimlichen Star des Parteitags aufgestiegen ist.

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          Was sonst noch wichtig ist

          Mit seiner Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen, hat Amerikas Präsident Donald Trump erwartungsgemäß für große Aufruhr im Nahen Osten gesorgt. Auf den Hamas-Aufruf zur dritten Intifada antwortete die israelische Armee am Donnerstagabend mit einem Raketenbeschuss auf den Gaza-Streifen. Und während wohl auch am Freitag weitere Zusammenstöße zwischen Israelis und Palästinensern zu erwarten sind, erklärt F.A.Z-Korrespondent Jochen Stahnke in seinem Leitartikel, warum Trump mit seiner Ankündigung zunächst einmal nur die Radikalen gestärkt hat.

          Unruhige Adventstage stehen wahrscheinlich auch den Polen bevor. Dort trat am Donnerstagabend die bisherige Regierungschefin Beata Szydlo zurück. Ihr Amt übernimmt der bisherige Wirtschafts- und Finanzminister Mateusz Morawiecki. Welche Folgen das für die polnische Innen-, Außen- und Flüchtlingspolitik (für welche die polnische Regierung gerade erst von der EU verklagt wurde) hat, können Sie auf FAZ.NET nachlesen.

          Außerdem startet in Duisburg heute der Strafprozess gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters, der vor sieben Jahren das Techno-Festival „Love Parade“ ausgerichtet hatte, bei dem bei einer Massenpanik 21 Menschen gestorben sind und mehr als 650 verletzt wurden. Obwohl das Unglück damals absehbar war, wurde es genehmigt. F.A.Z-NRW-Korrespondent Reiner Burger hat mit zwei Eltern gesprochen, die damals ihren Sohn verloren haben und erklärt, warum auch sie Angst vor dem Prozess haben.

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          Wissen Sie eigentlich, was die Unesco alles als Weltkulturerbe bezeichnet? Seit gestern ist klar: Pizza und deutsche Orgelmusik gehören auch dazu. Aber es gibt noch mehr kuriose Traditionen, welche die UN-Organisation für so kostbar hält, dass es sie in die lange Liste der immateriellen Kulturerbe aufgenommen hat. Welche das sind? Finden Sie es heraus und nehmen hier doch einfach mal an unserem Quiz teil!

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