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F.A.Z.-Konferenz Gesundheit : Was kann Deutschland vom Ausland lernen?

  • Aktualisiert am

Impfung in einer Frankfurter Arztpraxis. Bild: Frank Röth

In der Krise haben Hausärzte und Krankenhäuser viel geleistet. Doch die Pandemie hat Schwächen der medizinischen Versorgung offengelegt. Bei der F.A.Z.-Konferenz diskutieren Fachleute über Modelle für die Zukunft.

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          Die Corona-Pandemie hat gezeigt, welche Schwächen die Gesundheitsversorgung in Deutschland hat, aber auch wie leistungsfähig das hiesige Gesundheitssystem ist. Besonders bemerkenswert sei der schnelle medizinische Fortschritt während der Pandemie wie die Impfstoffentwicklung, sagte Heyo Kroemer Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité zu Beginn der Konferenz.

          Doch vor allem was die Digitalisierung angeht, müsse Deutschland jetzt handeln. Andere Länder wie China oder auch private Anbieter wie Amazon Care zeigen, wie die medizinische Versorgung der Zukunft aussieht. „Wenn wir es in den nächsten fünf Jahren nicht schaffen, unser Gesundheitswesen zu digitalisieren, werden das andere für uns tun,“ warnte Kroemer.

          Eine positive Entwicklung der Pandemie war der Ausbau der Kooperation zwischen Kliniken. Kroemer nannte beispielhaft das Netzwerk Universitätsmedizin, das kooperativ statt kompetitiv arbeite. Solche Kooperationen, die Zusammenlegung von Kapazitäten und Geräten müsse künftig national wie international viel mehr erfolgen.

          Ein Problem des deutschen Gesundheitswesens ist die Aufteilung der Patientenversorgung zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzte. Fachleute kritisieren, dass das dieses Sektorensystem für Kranke nicht immer optimal ist. Immer wieder gab es Versuche, das starre System der Sektoren zu öffnen. Doch die meisten Bemühungen sind gescheitert, sie gehen selten über Modellversuche hinaus.

          Helmut Hildebrandt von OptiMedis, einem Unternehmen, das Netzwerke aus Ärzten, Krankenhäusern und Fitnessstudio kreiert, griff die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) an. Sie habe „die Zeit verpasst“, verschiedene Akteure der Gesundheitsversorgung zu vernetzen. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, wiedersprach. Vieles hänge einfach von den bestehenden Regeln ab. „Arbeitgeber wollen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nun mal von einem Arzt, nicht von einem Apotheker“, sagte Gassen.

          Er fordert mehr Geld für das Gesundheitssystem und eine Änderung der Vergütungsstrukturen. „In fast jedem Gesundheitsberuf gibt es einen Mangel.“ Von der nächsten Bundesregierung wünscht er sich, keine weiteren Mittel im Gesundheitswesen einzusparen. „Billiger wird es nicht mehr.“

          Dem schließt sich auch Kroemer an. Das besondere während Corona sei gewesen, dass wirtschaftliche Aspekte in den Hintergrund traten. Er hofft, dass in Zukunft auch die Bereitschaft von Ärzten und das Vorhalten von Kapazitäten bezahlt werde. „Bei der Feuerwehr fragt doch auch keiner am Ende des Jahres, wie oft sie im Einsatz war.“

          Auf der Konferenz „Gesundheit & Versorgung“ , die von der F.A.Z.-Gruppe und der Robert Bosch Stiftung veranstaltet wird, denken die Teilnehmer darüber nach, welche Ansätze funktionieren können. Haben die Verantwortlichen mit Medizinischen Versorgungszentren, Portalpraxen und Ärztenetzwerken schon tragfähige Lösungen gefunden, die vor Ort funktionieren? Oder braucht es vielleicht mehr, ist ein großer gesundheitspolitischer Wurf in der nächsten Legislaturperiode nötig – wenn ja, wie müsste der aussehen?

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