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Holocaust-Gedenken : Die unerträgliche Rückkehr des Antisemitismus

Holocaust-Gedenken in London am Montag Bild: AFP

Kokett kommt der Antisemitismus in unserer Gesellschaft wieder daher und entlädt sich mit mörderischem Hass. In vielen Ländern steigt die Zahl judenfeindlicher Straftaten – das ist die traurige Wahrheit.

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          „Wir werden den Antisemitismus verfolgen, den Hass, der sich am helllichten Tage zeigt, wie jenen, der sich in der Anonymität der sozialen Netzwerke äußert.“ Frankreichs Präsident Macron war nicht der einzige Repräsentant eines westlichen Staates, der am Holocaust-Gedenktag dazu aufrief, sich der Rückkehr des Antisemitismus entgegenzustemmen und nicht hinzunehmen, dass antisemitische Vorurteile banalisiert werden. Denn diese Banalisierung ist oft genug nur das Vorspiel zur Hetze und diese wiederum die Vorstufe zur Gewalt.

          Aus vielen Mahnungen wie derjenigen Macrons sprechen gleichermaßen Zorn und Fassungslosigkeit darüber, wie kokett der Antisemitismus in unserer Gesellschaft wieder daherkommt und mit welch mörderischem Hass er sich entlädt. Der New Yorker Bürgermeister sprach neulich, aus Anlass eines Angriffs auf Juden, von Amerikas Antisemitismus-Krise. In vielen Ländern steigt die Zahl antisemitischer Straftaten – das ist die traurige Wahrheit.

          Die jüdischen Mitbürger schützen

          Auch das ist Wirklichkeit an einem Tag, an dem der Opfer des Holocaust gedacht und an die Befreiung des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren erinnert wird. Er erinnert an monströse Menschheitsverbrechen und an unauslöschliche deutsche Schuld; an Scham und auch an Kollaboration. Niederländische Beamte hätten bereitwillig ausgeführt, was die deutschen Besatzer befohlen hätten, sagte Ministerpräsident Rutte und bat die letzten Überlebenden um Entschuldigung für das, was der damalige Staat getan hatte – mehr noch für das, was er nicht getan hatte, nämlich seine jüdischen Bürger zu schützen.

          Das ist das Mindeste, was unser Staat heute tun muss, ob es der deutsche, der französische oder der amerikanische ist: die jüdischen Mitbürger schützen. Er muss den alten und neuen Hasspredigern, von denen einige sogar in Parlamenten sitzen, konsequent und überall entgegentreten. Aber letztlich ist es unser aller Aufgabe, dass deren Saat nicht aufgeht. Erinnerungen an Vergangenes werden blass. Aber die Erinnerung an das Menschheitsverbrechen darf nicht dem Vergessen anheimfallen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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