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Kinder im Teich ertrunken : Ist jeder Bürgermeister schuldig?

Der Teich in Neukirchen Bild: Picture-Alliance

Fahrlässige Tötung? Wer wird da noch Bürgermeister werden wollen? So schrecklich der Tod von drei Kindern in einem Dorfteich ist – es gibt nicht immer einen Schuldigen.

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          Wer tut sich das noch an? Wer will noch Bürgermeister werden? Wer sich für das Gemeinwohl engagiert, wird nicht selten beschimpft, bedroht, angegriffen. Und wenn das Urteil des Amtsgerichts Schwalmstadt Bestand haben sollte, dürfte sich das kleine Feld derer, die sich freiwillig für ihre Kommune einsetzen, weiter lichten.

          Zwar hat sich das Gericht im Prozess um den schrecklichen Tod dreier Kinder in einem Dorfteich um eine milde Sanktion bemüht. Aber das ändert nichts daran, dass der Bürgermeister wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verurteilt wurde – weil er den Teich nicht gesichert habe.

          So unermesslich der Schmerz der Hinterbliebenen und so verständlich der Wunsch ist, einen Verantwortlichen ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen – es gibt nicht immer einen Schuldigen. Jedenfalls nicht im strafrechtlichen Sinn. Kann dem Bürgermeister wirklich der Tod der Kinder individuell vorgeworfen werden, war er für ihn objektiv vorhersehbar? Zweifellos stellt ein solcher Teich eine Gefahrenquelle dar; aber es ist weder möglich noch wünschenswert, den öffentlichen Raum rundherum abzusichern.

          Auch das Frankfurter Mainufer ist ungesichert; doch der Oberbürgermeister ist nicht verantwortlich für einen Kinderwagen, der in den Fluss rollt – Gott behüte, dass das passiert. Nein, hier geht es nicht nur um eine unzumutbare Ausdehnung der Verantwortlichkeit von Amtsträgern, sondern auch um den Wert von Freiheit.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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