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Familienpolitik : Köhler kümmert sich um Kinder

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Föderalimus, Luftsicherheit, Familie: Schon wieder ein Thema für Köhler Bild: dpa/dpaweb

Auch die Familienpolitik macht der Bundespräsident zu seinem Anliegen: Ins Schloß Bellevue lädt Köhler Ministerin Schmidt (SPD) sowie Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften. Auf der Agenda: der Ausbau der Kinderbetreuung.

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          Vor dem Gespräch bei Bundespräsident Horst Köhler zur Familienpolitik am Montag haben Regierung, Gewerkschaften und Unternehmer zu einem Ausbau der Angebote zur Kinderbetreuung aufgerufen.

          An der Runde nehmen Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD), DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun, der DGB-Vorsitzende Michael Sommer, der Berliner Wissenschaftler Hans Bertram, Michael Endres von der Hertie-Stiftung, Jenas Oberbürgermeister Peter Röhlinger und Liz Mohn von der Bertelsmann-Stiftung teil.

          „Wir brauchen familienfreundlichere Arbeitswelt“

          „Ein gutes Betreuungsangebot ist wichtig; genauso wichtig ist aber eine familienfreundliche Arbeitswelt“, sagte Familienministerin Renate Schmidt (SPD) in einem Interviewe der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

          „Der Kinderwunsch darf nicht an der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheitern“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt. Die Gewerkschaften riefen die Unternehmen zu größeren Anstrengungen auf.

          „Überzogenes Sicherheitsbedürfnis“

          Schmidt beklagte die verbreitete Kinderlosigkeit in Deutschland, die „einmalig auf der Welt“ sei. „Bei uns gibt es die schlechtesten Bedingungen, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Zudem haben Menschen mit Kindern das Gefühl, daß Kinder in dieser Gesellschaft nicht erwünscht sind“, sagte die Ministerin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

          Besonders in gut ausgebildeten Mittelschichtfamilien sei die Angst vor beruflichen Nachteilen häufig Grund für Kinderlosigkeit. Schmidt kritisierte dabei ein überzogenes Sicherheitsbedürfnis bei den Voraussetzungen für die Entscheidung für ein Kind: „Zwei absolut sichere Einkommen, satt was auf dem Sparkonto, möglichst das eigene Haus oder die eigene Wohnung.“ Da werde übertrieben.

          „Unternehmen haben schon viel getan“

          Hundt sagte der „Bild am Sonntag“, deutsche Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren viel für eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geleistet. Beispiele seien flexible Arbeitszeiten und der Aufbau von Betriebskindergärten. Die Unternehmen dürften jetzt aber „bei ihren Anstrengungen nicht nachlassen“.

          Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, nannte den Ausbau der Kinderbetreuung eine für den Wirtschaftsstandort Deutschland notwendige Investition in die Zukunft. Nur eine Gesellschaft, die heute ausreichend in Betreuungsangebote für Kinder investiere, „wird morgen ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit behaupten können“, sagte Braun der Chemnitzer „Freien Presse“.

          „Tagesbetreuungsausbaugesetz“ in Kraft getreten

          Als großen Erfolg wertet das Familienministerium das Inkrafttreten des Gesetzes zum Ausbau der Tagesbetreuung zum Jahresbeginn. Das Gesetz schreibt vor, bis 2010 die Angebote für die Betreuung von unter Dreijährigen so zu erhöhen, daß der Bedarf gedeckt wird.

          In den westlichen Bundesländern seien dafür 230.000 zusätzliche Plätze erforderlich. Dafür stünden 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung, die durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe hereinkommen sollen.

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