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Familienfehde nach Kohls Tod : Ein öffentliches Trauerspiel

  • Aktualisiert am

Hausverbot: Als er am 21. Juni Einlass in den elterlichen Bungalow in Oggersheim begehrt, steht Walter Kohl (l.), der Sohn des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl, gemeinsam mit seinem Sohn und seiner Nichte vor verschlossenen Türen Bild: dpa

Während die Abläufe für die Trauerzeremonie langsam feststehen, eskaliert der Streit der Kohls. Zwar ist über die Jahre viel Unschönes aus dem Innenleben der Familie nach außen gedrungen. Doch was sich nach dem Tod des Altkanzlers abspielt, hat eine neue Dimension.

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          Mittwochmittag, 12.30 Uhr. Walter Kohl taucht vor dem Haus seines Vaters in Ludwigshafen-Oggersheim auf. Mit dabei: die beiden Enkel des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl. Die drei sind schwarz gekleidet, gehen zur Haustür, Walter Kohl klingelt, klopft an die Tür. Klingelt wieder. Mit gesenkten Köpfen stehen die drei vor der Tür, warten. Minute um Minute verstreicht. Die Szene wird gefilmt und fotografiert von Journalisten, die seit Tagen vor dem Haus ausharren. Die Tür bleibt zu. Die Gesichter der beiden Enkel verdunkeln sich. Ein Polizist weist die Besucher schließlich ab.

          Der Beamte leitet die drei weg von der Tür. Auf dem Gehweg vor dem Haus folgt eine Unterhaltung zwischen Walter Kohl und dem Polizisten. Vor laufender Kamera. Der Uniformierte nuschelt etwas von Hausverbot und Führungshierarchien. „Und warum haben wir das Hausverbot?“, fragt Walter Kohl. Weil wohl ein Termin verstrichen sei, entgegnet der Polizist, mit gesenkter Stimme, fast peinlich berührt. „Das ist eine Lüge“, entgegnet Walter Kohl. „Wir waren um 17 Uhr am Telefon, aber es wurde nicht angerufen. Das möchte ich nur amtlich feststellen hiermit“, sagt er, mit einem kurzen Blick zur Seite, Richtung Kamera.

          Dann beruhigt Kohl den Polizisten, ihn treffe keine Schuld, er könne nichts dafür, er sei schließlich nur der „Überbringer der Nachricht“. Der Polizist stammelt ein wenig unbeholfen etwas von Beileid. „Das nehme ich auch gern entgegen“, sagt Kohl da noch. „Aber dass ich ein bisschen empört bin, können Sie sich vorstellen.“ Ende dieser sonderbaren Unterhaltung.

          Termin verstrichen? 17 Uhr? Worum geht es eigentlich? Die Replik aus dem Haus hinter der verschlossenen Tür lässt nicht lange auf sich warten. Die Witwe des Altkanzlers, Maike Kohl-Richter, die drinnen seit Freitag an der Seite ihres verstorbenen Mannes ist, lässt umgehend ihre Sicht auf die Dinge ausrichten - über ihren Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner, der lange auch Helmut Kohl selbst vertrat und enger Vertrauter war.

          Anwalt der Witwe wirft Kohl-Sohn Lüge vor

          Holthoff-Pförtner sagt, er habe am Dienstag das Gespräch mit Walter Kohl gesucht, um die Abläufe der Trauerfeierlichkeiten für den Alt-Kanzler am 1. Juli zu bereden - und zu klären, wie sich die Söhne und Enkel von Helmut Kohl verabschieden könnten. Ziel sei es gewesen, die Teilnahme der Söhne und ihrer Familien an allen Trauerzeremonien zu besprechen. Walter Kohl habe eingewilligt, am Dienstagnachmittag um 17 Uhr ein Telefonat dazu zu führen. Zum verabredeten Zeitpunkt sei Walter Kohl dann aber nicht erreichbar gewesen - trotz mehrfacher Kontaktversuche. „Er hat sich diesem Gespräch entzogen.“

          Dass Walter Kohl stattdessen mit Kohls Enkeln unangemeldet vor dem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim auftauche und um Einlass bitte, sei „die gewollte und bewusste Inszenierung eines Eklats“, klagt Holthoff-Pförtner. „Das sprengt den Rahmen dessen, was man tolerieren kann.“ Die Darstellung von Walter Kohl, dass er abgeschirmt werde, sei falsch. „Das ist nicht die Wahrheit.“

          Walter Kohl ist in Ludwigshafen-Oggersheim schon verschwunden, als die Vorwürfe aus dem Inneren des Hauses auftauchen. Zu erreichen ist er da auch auf anderem Weg nicht mehr.

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          Es bleibt also vorerst bei zwei Seiten, die sich gegenseitig der Lüge bezichtigen und sich mit Vorwürfen überziehen. Aussage gegen Aussage. Dass das Verhältnis zwischen Kohls Söhnen und dessen zweiter Frau nicht das beste ist, ist kein Geheimnis. Dass ihr Streit aber derart eskaliert - vor laufender Kamera -, das überrascht dann doch.

          Am Dienstag, um eben 17 Uhr, hatte die Entourage von Maike Kohl-Richter bekanntgegeben, dass Helmut Kohl nicht im Familiengrab, an der Seite seiner ersten Frau Hannelore beerdigt wird, sondern auf einem Friedhof in Speyer: an einem symbolträchtigen Ort mit Bezug zum Speyerer Dom, der Kohl politisch wichtig war. Die Beisetzung dort sei Kohls ausdrücklicher Wunsch gewesen, heißt es. Auch das ist eine vielsagende Geste.

          Der Familienstreit fällt mitten in die Vorbereitungen der Trauerfeierlichkeiten Anfang Juli. Bei dem europäischen Trauerakt in Straßburg sollen neben Merkel auch EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker im Europaparlament sprechen, wie das Bundesinnenministerium in Berlin mitteilte. Außerdem sind Reden des französischen Staatsoberhauptes Emmanuel Macron und des früheren US-Präsidenten Bill Clinton geplant.

          Trauerfeierlichkeiten in Straßburg und Speyer

          Der Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg wird laut Innenressort am 1. Juli um 11 Uhr beginnen und etwa zwei Stunden dauern. Kohls Sarg werde mit einer Europafahne bedeckt, danach per Hubschrauber nach Deutschland gebracht und nach der Landung bei Ludwigshafen nach Speyer überführt. Dort sei im Dom am späten Nachmittag eine Totenmesse geplant. Aus gut unterrichteten Kreisen ist bekannt, dass für diese Teilstrecke angedacht ist, den Sarg per Schiff zum Dom zu bringen. Unklar ist noch, ob dies organisatorisch machbar ist.

          Im Anschluss an die Totenmesse ist laut Innenressort vor dem Dom ein „militärisches Abschiedszeremoniell mit Ehrenformation“ vorgesehen, danach werde Kohl beigesetzt. Kohl wird seine letzte Ruhestätte auf einem Friedhof in Speyer finden und nicht im Familiengrab der Kohls in Ludwigshafen.

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